Tiervergleiche konnten schon vor 2000 Jahren beleidigen. Dennoch machte Jesus immer wieder gerne davon Gebrauch um Seine Lehre und Gebote zu verdeutlichen. Wie deutlich wurden diese bis heute verstanden und befolgt?

Nachdem Jesus Seine Jünger berufen hatte, stieg Er mit ihnen auf einen Berg und lehrte sie die grundlegendsten Prinzipien und Gebote Seiner Königsherrschaft. Diese Lehren sind heute unter dem Namen „die Bergpredigt“ bekannt. Viele davon wurden später zu Redewendungen, die bis heute bekannt sind. Darunter auch jene Worte:

Gebet das Heilige nicht den Hunden und werfet eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie dieselben nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen. (Mt 7,6 SCHL)

Heute ist besonders der zweite Teil dieses Gebots als Sprichwort bekannt. Aber wer versteht es noch richtig? Und wer befolgt es? Über den ersten Teil - das Heilige und die Hunde - wird es einen eigenen Beitrag geben. Hier wollen wir uns auf die Schweine und die Perlen konzentrieren und zeigen, wie die frühen Christen dieses Gebot verstanden und ob sie sich daran hielten, und wenn ja, wie.

Manche moderne Lehrer behaupten, dass die frühen Christen jedes Gebot Christi wörtlich nahmen. Das stimmt aber nicht. Das wird an der frühchristlichen Auslegung von Geboten wie Wenn dir dein rechtes Auge ein Anstoß zur Sünde wird, reiß es aus deutlich oder an diesem hier mit den Hunden und Schweinen. In Wahrheit finden wir keinen frühen Christ, der glaubte, dass Jesus wörtlich von echten Schweinen und echten Perlen sprach. Jesus sprach damals schließlich nicht zu Juwelieren oder Schweinebauern, sondern zu Seinen Jüngern. Die hatten keine Perlen, die sie vor die Schweine - die sie auch nicht hatten - werfen hätten können. Wozu hätte Jesus ihnen das also verbieten sollen? Es wäre ein überflüssiges Verbot ohne Not gewesen. Außerdem würde sowieso kein erwachsener, vernünftiger Mensch je echte Perlen vor echte Schweine werfen. Stattdessen ist allen klar, dass Jesus hier sinnbildlich von Schweinen und Perlen sprach, genauso wie Er auch bei anderen Gelegenheiten gerne Tiere und Gegenstände als Sinnbilder verwendete. Das wussten die frühen Christen genau und deuteten daher fast alle Reden, Gebote und Lehren Christi sinnbildlich und geistlich.

Mit den Perlen meinte Jesus bestimmte Lehrinhalte. Welche? Darauf kommen wir noch. Davor zu den Schweinen. Wer den Herrn kennt, weiß, dass Er in Wahrheit Menschen meint, wenn Er von Tieren, Pflanzen oder Körperteilen lehrt.  Die frühen Christen wussten nicht nur all das, sondern sie lehrten und praktizierten dieses Gebot überzeugend einmütig und konsequent. Sie ordneten dabei die Schweine drei Gruppen von Menschen zu:

  1. den Häretikern
  2. den seelischen Menschen
  3. den Katechumenen

Die Grenzen zwischen den drei Gruppen sind fließend und ein Mensch kann mehreren und sogar allen angehören, gleichzeitig oder hintereinander. Lassen wir uns nun die drei von den frühen Christen erklären und schauen wir, wie gut sie zu Jesu Lehre und Vorbild passen.


Die Schweine: Häretiker

Es gibt zwei Sorten von Häretikern (auf Deutsch: Irrlehrer, Ketzer, Sektierer): Jene aus fremden Religionen und jene aus dem Christentum. Cyprian von Karthago schrieb an die erste Sorte folgenden Brief:

Wenn du dich ereifertest und gegen Gott, der der eine und wahre ist, mit frevlem Munde und in ruchlosen Worten dich ergingst, dann hatte ich dich, lieber Demetrianus, gar oft unbeachtet gelassen, da ich es für ehrenhafter und besser hielt, die Unkenntnis des Irrenden stillschweigend zu übersehen, als durch Worte die Wut des Verblendeten noch herauszufordern. Und das tat ich nicht, ohne durch die göttliche Lehre dazu ermächtigt zu sein; denn es steht geschrieben: „Dem Toren sage nichts in die Ohren, damit er nicht, wenn er es hört, deinen verständigen Reden verlache!“ und wiederum: „Antworte dem Toren nicht nach seiner Torheit, damit du ihm nicht ähnlich werdest!“ Es wird uns ja auch befohlen, das Heilige in unserem Bewußtsein zu behalten und nicht den Schweinen und Hunden zum Zertreten hinzuwerfen, wie der Herr spricht und sagt: „Gebet das Heilige nicht den Hunden, und werfet eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie nicht mit ihren Füßen sie zertreten!“ Denn da du oft mehr in der Absicht, zu widersprechen als mit dem Wunsche zu lernen zu mir kamst und lieber deine Ansichten mit schreiender Stimme mir unverschämt aufdrängen als unsere Gedanken ruhig anhören wolltest, so schien es mir unangebracht, mit dir zu streiten, da es leichter und müheloser wäre, die erregten Wogen des stürmischen Meeres durch lauten Zuruf zur Ruhe zu zwingen als deine Wut durch sachliche Verhandlungen zu zügeln. Sicherlich ist es doch vergebliche Arbeit und ein erfolgloses Beginnen, dem Blinden Licht, dem Tauben Worte, dem Toren Weisheit zu bieten, da weder der Tor zu denken noch der Blinde Licht aufzunehmen noch der Taube zu hören vermag.

Cyprian von Karthago, An Demetrianus (BKV) Einleitung, Kap. 1.

Das ist der Anfang des Briefes an Demetrianus (nahtlos daran schließt der Rest an, den wir hier veröffentlicht haben: Wer oder was ist an den Krisen schuld?). Der Brief ist in vielerlei Hinsicht brisant und lehrreich.

Wer war Demetrianus? Wir erfahren aus dem Brief, dass er ein grausamer Herrscher war,  dass er an die römischen Götter glaubte, dass er immer wieder Cyprian aufsuchte, und dass er schließlich eine Christenverfolgung anzettelte. Damit war Demetrianus aus der Sicht der Christen ein typischer abergläubischer Häretiker aus einer fremden Religion. Das machte ihn aber noch nicht zum Schwein im Sinne von Jesu Gebot. Erst die Art, wie dieser Irrende seinen Irrtum auslebte, machte ihn zum Schwein: Er kam zu dem christlichen Lehrer nicht um zu lernen, sondern um ihn zu belehren indem er ihm seine Ansichten aufzudrängen versuchte. Er war voreingenommen, unbelehrbar und aggressiv. Dieses Verhalten machte ihn zum Schwein, das die Perlen des Cyprian zertrat, sich umwandte und versuchte Cyprian zu zerreißen. Cyprian erkannte all das im Voraus aufgrund des Gebotes des Herrn, das er treu befolgte, und es sogar dem Irrlehrer Demetrianus freimütig in einem Brief entgegenhielt, neben ein paar weiteren Weisheitsgeboten, die genauso wenig schmeichelhaft waren für den Gegner.

Die andere Sorte Häretiker stellt uns Irenäus vor:

All dies hat das Gesetz im voraus bildlich verkündet, indem es durch Tiere den Menschen zeichnete. Was nämlich doppelte Klaue hat und wiederkäut, erklärt es als rein; was aber das eine oder andere nicht hat, sondert es als unrein ab. Welches sind also nun die Reinen? Die zum Vater und dem Sohne durch den Glauben fest ihren Weg gehen — das bedeutet die doppelte Klaue — und die Aussprüche des Herrn Tag und Nacht meditieren , um mit guten Werken sich zu schmücken — das bedeutet die Kraft der Wiederkäuer. Unrein aber ist, was keine doppelten Klauen hat oder nicht wiederkäut, d. h. die weder den Glauben an Gott haben, noch seine Aussprüche meditieren — das ist der Greuel der Heiden. Die aber wiederkäuen und keine doppelte Klaue haben, sind auch unrein — das weist bildlich auf die Juden hin, die zwar die Aussprüche Gottes im Munde haben, aber keine feste Wurzel fassen im Vater und im Sohne. […] Unrein ist gleichfalls, was doppelte Hufe hat, aber nicht wiederkäut. Das weist offenkundig hin auf alle Häretiker, die nicht die Aussprüche Gottes meditieren, noch mit Werken der Gerechtigkeit sich schmücken. Zu ihnen spricht der Herr: „Was sagt ihr mir Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“ Derartige Leute geben zwar vor, an den Vater und den Sohn zu glauben, meditieren aber niemals die Aussprüche Gottes, wie es sich gehört; noch sind sie mit den Werken der Gerechtigkeit geschmückt, sondern sie haben, wie gesagt, das Leben der Schweine und Hunde angenommen und sich der Unreinigkeit, Schlemmerei und übrigen Sorglosigkeit ergeben. Mit Recht also nannte der Apostel alle diese, die wegen ihres Unglaubens und ihrer Üppigkeit den göttlichen Geist nicht erlangen und durch verschiedene Charaktere den Geist hinauswerfen, der sie lebendig macht, und in ihren Lüsten unvernünftig wandeln, fleischlich und animal, nannten die Propheten sie Vieh und wildes Tier, deutet die Gewohnheit sie als Tiere und Unvernünftige, verkündet das Gesetz sie als unrein.

Irenäus von Lyon Contra Haereses Gegen die Häresien (BKV), Fünftes Buch, 8,3.

Hier sehen wir sehr schön, wie geistlich die frühen Christen sogar die Speisevorschriften im Gesetz Moses lasen und die jeweiligen Tiere dort auf die Menschen hin deuteten und in ihrem tiefen Sinnbild erfassten. Speisen stehen im Wort Gottes oft als Sinnbild für die Lehre, insbesondere im Neuen Testament. Christus sprach beispielsweise vom Sauerteig der Pharisäer und meinte damit ihre Lehre. Paulus sprach davon, dass er seinen Schülern Milch gab und meinte damit die geistliche Nahrung für geistliche Babys, Wir schrieben dazu folgenden Beitrag: Milch habe ich euch zu trinken gegeben

Es ist also naheliegend, dass geistlich denkende Menschen die Speisegebote geistlich deuten. Und erst die geistliche Deutung erhellt, warum Gott die Tiere nach ihren Füßen und Ernährungsformen unterschied, um zu bestimmen, welche rein und unrein sind. Irenäus erklärt es uns: Die Hufe stehen für den Glauben und die Ernährung für die Art, wie der Mensch das Wort Gottes aufnimmt. Rein ist nur derjenige, der doppelte Hufe hat und Wiederkäuer ist. Denn die doppelten Hufe (heute sagt man Paarhufer dazu) bedeuten geistlich gesehen, dass er mit seinen Füßen auf dem Vater und dem Sohn steht, auf beiden! Ja und Wiederkäuer bedeutet geistlich gesehen, dass man täglich die Aussprüche Gottes, das Wort Gottes, von neuem durchkaut, also meditiert. Alle anderen sind unrein.

Während es also nur eine Möglichkeit gibt, rein zu sein, gibt es viele Möglichkeiten unrein zu sein. Das ist ein Grundprinzip der Wahrheit, das uns Gott in Seinem Wort offenbart. Es reicht also nicht, ein Huftier zu sein. Irenäus identifiziert jene, die nur einteilige Hufe haben, mit den Juden, weil sie nur auf dem Vater stehen. Ihnen fehlt der Sohn. Und schlimmer noch: Wer den Sohn nicht hat, hat den Vater nicht und auch das Leben nicht (1. Joh 2,23; 1. Joh 5,12). Unrein sind auch alle, die gar keine Hufe haben. Das sind die Heiden, die auf ganz anderen Göttern stehen, wie Irenäus erläutert.

Es reicht aber auch nicht, wenn man zwar Paarhufer ist, aber kein Wiederkäuer. Die frühen Christen wie Irenäus erkennen hier den perfekten Zusammenhang zu den Häretikern, die zwar an Vater und Sohn glauben, also doppelte Hufe haben, aber nicht das Wort Gottes ordentlich täglich wiederkäuen. Ihnen fehlt der Tiefgang in der Lehre und die Werke, die daraus resultieren. Stattdessen sind sie unrein, sowohl in ihrer Lehre als auch ihren Werken. Schweine sind unrein laut dem Gesetz Moses, weil sie Paarhufer aber keine Wiederkäuer sind. Daher passt der Vergleich perfekt: Diese Menschen sind Schweine im Sinne des Gesetzes Moses und im Sinne des Gebotes Christi! Es sind diesmal keine heidnischen Häretiker aus anderen Religionen, auch keine ungläubigen, sondern sie kommen aus dem Christentum, würden sich selbst auch als wahre Christen bezeichnen, und sind doch Schweine im Sinne des Gebotes Christi, vor die man keine Perlen werfen darf.

Wir haben mit einigen solcher Schweine Bekanntschaft gemacht in den letzten Jahrzehnten. Von denen wurde ich beispielsweise immer wieder kritisiert, weil ich in meinen Beiträgen verallgemeinere und absolute Worte verwende wie „alle“, „keiner“, „immer“, „nie“, „ganz“, „gar nicht“, etc. Das sei kein guter Stil und führe zu Aussagen, die so nicht stimmen. Was meine Kritiker dabei übersehen ist, dass ich genau diese rhetorischen Stilmittel und Worte aus der Heiligen Schrift habe und in ihrem Sinne verstehe und verwende. Wer diese Worte bei mir nicht richtig versteht, wird sie auch nicht in der Bibel richtig verstehen (eine Beweisstelle bespreche ich später, im letzten Kapitel). Und genauso ist es auch. Ein paar Beispiele:

  • So schrieb mir triumphierend eine Lehrerin, dass sie aufgedeckt habe, dass Paulus ein falscher Apostel sei. Denn Jesus hatte den Pharisäern gesagt, dass sie nicht ins Königreich der Himmel kommen. Paulus war ein Pharisäer, also käme er nicht ins Himmelreich und könne kein Apostel sein.
  • Ein anderer Lehrer, ein Theologe sogar, sagte mir, dass man die Aussage in der Bibel, wo es heißt, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, nur so auffassen kann, dass am Ende auch wirklich alle Menschen gerettet werden, denn am Ende geschieht Gottes Wille und Gott lügt nicht.
  • Wieder ein anderer Lehrer erklärte mir, dass Paulus ein Irrlehrer war, weil sich am Ende „ganz Asien“ von ihm abwandte. Wenn sich ein ganzer Kontinent von einem Lehrer abwendet, muss es am Lehrer liegen. Das kann kein richtiger Lehrer sein.
  • Einige Lehrer fingen zu streiten an, weil sie lasen, dass Johannes der Täufer „ganz Jerusalem“ taufte - und zu „ganz“ Jerusalem gehören wohl auch Säuglinge. Also muss Johannes bereits Säuglinge getauft haben, was die Säuglingstaufe von Beginn an beweisen und vorschreiben würde.

Diese Menschen haben die Rhetorik Gottes nicht erfasst. Es fällt ihnen bei mir störend auf, aber in der Schrift nicht, weil sie die Aussprüche Gottes nicht so wiedergekäut haben, wie es notwendig wäre. „Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt“, sagte Jesus. Vermeintlich absolut formulierte Sätze in der Schrift verstehen sie global absolut, ziehen falsche Schlüsse, und destillieren daraus trügerische Lehrsätze. Genauso entstehen Irrlehren, die im Widerspruch zu sich selbst und anderen Aussagen in der Schrift stehen. Der Fehler liegt nicht bei den Autoren der Schrift, auch nicht bei den guten Lehrern (den „Wiederkäuern“), sondern bei den Schweinen, die hastig runterschlingen anstatt richtig zu kauen. Diese Schweine sträuben sich in der Regel auch, immer wieder über dieselben Aussprüche Gottes nachzudenken. Sie bleiben lieber bei ihrer ersten Meinung.

Wir bemerkten auch über die Jahre, dass viele dieser Häretiker sehr gerne schnell und viel reden, so als wollten sie ihrem Gegenüber keine Zeit lassen, darüber nachzudenken oder etwas zu entgegnen. Schwätzer nennt die Schrift solche Irrlehrer:

Denn es gibt viele widerspenstige und leere Schwätzer und Verführer, besonders die aus der Beschneidung. Denen muss man den Mund stopfen, denn sie bringen ganze Häuser durcheinander mit ihrem ungehörigen Lehren um schändlichen Gewinnes willen. (Tit 1,10f SCH2000)

Aber sie reden nicht nur schnell und viel, sondern urteilen genauso gerne schnell und viel, während sie auf der anderen Seite langsam und wenig zuhören und verstehen. So übersehen sie auch schnell vieles. Viele verstehen daher auch nicht, dass ein und dasselbe Wort in der Schrift mehrere verschiedene Bedeutungen haben kann, je nach Kontext. So wurde ich von mehreren angegriffen, weil ich das Wort „Gesetz“ unterschiedlich verwende. Ich sei widersprüchlich. Nein, vielmehr bezieht sich das Wort „Gesetz“ in der Schrift nunmal auf völlig unterschiedliche Dinge! Gesetz ist nicht Gesetz in der Schrift. Dasselbe gilt für Sünde, Glaube, Gnade, Israel, Jude und viele andere Schlüsselwörter auch (siehe auch Israel ist nicht Israel und Gnade und Gnade ist zweierlei). Man muss all die verschiedenen Bedeutungen zu unterscheiden wissen, bevor man sich eine Meinung bildet und die Schrift auslegt. Sonst versteht man nicht nur meine Texte falsch, sondern auch die der biblischen Autoren und frühen Christen. Was in den Aussprüchen Gottes und der Lehre der Apostel auf den ersten Blick absolut eindimensional klingt, erweist sich am Ende als richtungsweisendes mehrdimensionales Prinzip, das den freien Willen des Menschen in die Verantwortung nimmt. Und der Wille Gottes ist sowieso viel komplexer als Schweine ihn wahrhaben wollen.

So sprachen wir mal mit einem Freund, einem „Experten“ in Sachen Eschatologie. Er studierte Jahrzehnte lang die Offenbarung und trug uns seine Auslegung, die er sich selbst zusammen gereimt hatte, sichtlich stolz vor. Wir machten ihn danach auf manche Widersprüche zu anderen Bibelstellen aufmerksam und erzählten, wie wunderbar schlüssig doch die frühen Christen die Offenbarung verstanden, in völliger Harmonie mit dem Rest der Schrift. Wie reagierte unser Freund? Er räumte zwar ein, dass es Widersprüche gab, die er ad hoc nicht erklären könne, gestand aber auch gleichzeitig, dass er keine Lust hätte, noch einmal über alles nachzudenken. Einmal müsse reichen. Später riet ihm auch sein Pastor, dass er vielleicht manches nochmal überdenken und überarbeiten solle. Das war ihm zu viel, das ließ er sich nicht bieten, und war erbost über den Pastor. Das ist das Mindset eines Schweines, nicht das eines Wiederkäuers.

Zusammenfassung bis hierher:

Unterm Strich ist es egal, mit welcher Sorte Häretiker man es zu tun hat, ob aus einer fremden Religion oder dem Christentum. Beide können die Eigenschaften und Verhaltensmuster an den Tag legen, die sie zu den Schweinen im Sinne von Jesu Gebot und dem Gesetz Moses machen. Fassen wir alle bisherigen Erklärungen zusammen, so ergibt sich folgendes Profil von Häretikern, die Schweine sind:

  • Sie suchen andere Lehrer auf - aber nicht um von ihnen zu lernen, sondern um sie zu belehren und mit ihnen zu streiten.
  • Sie diskutieren verblendet, hitzig, unverständig, sogar töricht, und kennen das Wort Gottes nur oberflächlich.
  • Sie reden schnell und viel und urteilen genauso schnell und viel.
  • Anstatt täglich die Aussprüche Gottes wiederzukäuen, bilden sie sich einmal ein rasches Urteil, bei dem sie bleiben.
  • Sie glauben, fromm zu sein. Doch anstatt Werke der Gerechtigkeit zu bringen, leben sie in Unreinheit und Ungehorsam gegenüber Christus.

„Sie haben das Leben der Schweine und Hunde angenommen“, nennt es Irenäus, in Anlehnung an die Aussagen der Apostel. Wieso aber ist das so?

  • Wurden diese Menschen von Gott als Schweine und Hunde geschaffen?
  • Können sie nicht anders, als das Leben der Schweine und Hunde anzunehmen?
  • Ist jeder Irrlehrer somit automatisch ein Schwein? 

Die letzten drei Fragen kann man eindeutig mit Nein beantworten. Und das führt uns zum nächsten Punkt:


Die Schweine: Seelische

Ein Teil unserer heutigen Probleme mit dem Verständnis der Heiligen Schrift besteht darin, dass wir deren Worte und Begriffe nicht mehr kennen oder inzwischen anders verstehen. Das Wort Schwein beispielsweise wird heute meist bewusst eingesetzt um einen Menschen unsachlich zu beschimpfen. In der Antike war das zwar auch kein Lob, Schwein genannt zu werden, aber es war ein anschaulicher Vergleich, der kritisch auf gewisse Eigenschaften hinwies, die den Mensch zum Schwein machten - und das soll nicht sein! Schauen wir uns das an.

Beginnen wir mit dem Wort „Seelischer“. Das Wort ist heute sperrig und missverständlich. Moderne Leser würden es intuitiv eher positiv verstehen. Es ist aber die präzise, korrekte Übersetzung des griechischen Wortes psychikos (ψυχικός), das die Autoren des NT bewusst wählten, um Menschen zu bezeichnen, die sich von ihren Seelen kontrollieren lassen. Das ist in der Heiligen Schrift nicht positiv. 

Es ist wahrlich kein Kompliment, wenn Judas, Jakobus oder Paulus jemand oder etwas als „seelisch“ bezeichnen:

Judas:

Das sind die, die Spaltungen verursachen, Seelische, die den Geist nicht haben. (Judas 1,19)

Jakobus:

Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, seelische, dämonische. (Jak 3,15)

Paulus:

Der seelische Mensch aber nimmt nichts an, was vom Geiste Gottes kommt, denn es gilt ihm als Torheit, und er ist nicht imstande, es zu verstehen, weil es geistlich beurteilt werden muß. (1. Kor 2,14)

Diese drei Zitate sollen reichen, um zu beweisen, dass es in den Augen des Heiligen Geistes nicht positiv ist, wenn ein Mensch seelisch ist. Wir werden einen eigenen Beitrag über die Seele (griech. psyche) herausbringen. Hier sei nur soviel gesagt, dass im griechisch geprägten Osten des Römischen Reiches damals der Mensch als ein Wesen mit Körper, Seele und Geist verstanden wurde. Das war die Gedankenwelt der Apostel. Im lateinischen Westen hingegen verschmolzen die Begriffe Körper und Seele zunehmend miteinander sodass am Ende nur noch von Körper und Geist gesprochen wurde, wenn es um den Menschen ging. In den meisten modernen Bibelübersetzungen steht bei den oben zitierten Stellen daher auch nicht „seelisch“, sondern „fleischlich“, „natürlich“, „sinnlich“ oder ein anderes Wort, das von der Seele umlenkt auf die menschliche, körperliche Natur. Die griechischen Autoren schrieben und meinten jedoch „seelisch“. Die Seele verlor in Europa über die Jahrtausende leider derart an Bedeutung oder erhielt eine andere durch die Einflüsse fremder Religionen und Weltanschauungen, dass heutige Übersetzer veranlasst sind, auf andere Begriffe auszuweichen, die am Ende aber den ursprünglich gemeinten Sinn aufweichen oder gar unkenntlich machen.

Kurz gesagt: „Seelisch“ zu sein ist in der Sprache der Heiligen Schrift nur negativ, denn es meint, dass ein Mensch von seiner Seele (d.h. von seinen Gefühlen, Wünschen, Begierden, etc.), beherrscht wird, im Sinne von „animalisch“ so wie Tiere nur von Trieben der Seele getrieben, als ob man gar keinen Geist hätte. Seelisch ist in der Schrift das Gegenteil von geistlich. Seele und Geist wollen den Mensch in gegensätzliche Richtungen führen. Genauso lernten die frühen Christen die Begriffe von den Aposteln. Wir sahen das bereits bei Irenäus (siehe vorheriges Kapitel). Hier ein weiterer Kommentar von ihm dazu:

Die aber den Rat des Geistes verwerfen, den Lüsten des Fleisches dienen, unvernünftig leben und zügellos sich in ihre Begierden stürzen, da sie keinen Hauch vom göttlichen Geiste besitzen, sondern nach Art der Schweine und Hunde leben, die nennt mit Recht der Apostel fleischlich, da sie nichts anders als Fleischliches kennen. Und die Propheten vergleichen aus ebendemselben Grunde mit den unvernünftigen Tieren diejenigen, welche so unvernünftig wandeln. „Hengste, rasend nach Weibern, sind sie geworden, ein jeder von ihnen wiehert nach der Frau seines Nächsten“. Und wiederum: „Der Mensch, da er in Ehre war, ist ähnlich geworden dem Vieh“. Aus eigener Schuld nämlich ist er dem Vieh ähnlich geworden, weil er sich einem unvernünftigen Leben ergeben. Und dementsprechend sagen auch wir von solchen Menschen, daß sie unvernünftiges Vieh und tierisch geworden sind!

Irenäus von Lyon Contra Haereses Gegen die Häresien (BKV), Fünftes Buch, 8,2

Seelische verwerfen den Rat des Geistes. Wir sahen beim obigen Zitat aus Jakobus 3, dass irdisch, seelisch und dämonisch nah beinander liegen. Die Seele ist sehr empfänglich für irdische und dämonische Einflüsse. Seelische bieten den Dämonen ein Zuhause, so wie die Schweine. Nicht ohne Grund haben die Dämonen seinerzeit Jesus gebeten in die Schweine fahren zu dürfen (Mt 8,31). Und nicht ohne Grund hat Jesus das den Dämonen sofort gestattet. Und nicht ohne Grund haben uns diese - in vielerlei Hinsicht - tiefe und symbolträchtige Geschichte drei Evangelisten (Matthäus 8,28ff; Markus 5,1ff; Lukas 8,26ff) überliefert.

Clemens von Alexandria schildert den Heiden in einem Gleichnis mit Tieren und Baustoffen, was Jesus Christus tat. Er erklärt, wofür sie alle stehen:

Er allein unter allen, die je lebten, zähmte die wildesten Tiere, die Menschen, sowohl Vögel, das sind die Leichtfertigen, als kriechende Tiere, das sind die Betrüger, und Löwen, das sind die Jähzornigen, und Schweine, das sind die Wollüstigen, und Wölfe, das sind die Raubgierigen. Stein und Holz aber sind die Unvernünftigen; ja noch gefühlloser als Stein ist ein Mensch, der in Torheit versunken ist.

Clemens von Alexandrien Protrepticus, 1,4.

Die Schweine sind also die wollüstigen Menschen. Das sind Menschen, die sich ihren Gefühlen und Trieben hingeben. Einen weiteren negativen Aspekt erklärt uns der Barnabasbrief, der zur Zeit der Apostel im 1. Jahrhundert geschrieben wurde. Es geht um die geistliche Deutung der Speisevorschriften von Moses:

Ist es also nicht ein Gebot Gottes das alles nicht zu essen? Das ist es, vielmehr aber hat Moses im geistlichen Sinn gesprochen. Das Schwein nun nannte er in diesem Sinne: der Mensch soll nicht verkehren mit Leuten. die den Schweinen ähnlich sind; denn wenn sie in Fülle haben, vergessen sie den Herrn, wenn sie aber Mangel haben, anerkennen sie den Herrn, genau wie das Schwein; solange es zu fressen hat, kennt es seinen Herrn nicht; wenn es aber Hunger leidet, dann raunzt es, und sobald es [Futter] bekommen hat, schweigt es wieder. 

Barnabasbrief (DLDA), X,2-3.

Schweine stehen sinnbildlich also für Menschen, die sich nur um ihr leibliches Wohl kümmern, um ihre Gefühle, um die Stillung ihrer Bedürfnisse und Triebe. Sie kennen ihren Herrn nur, wenn sie etwas von Ihm brauchen, dann grunzen sie bis sie es bekommen, ansonsten ist Er ihnen egal. Genau das sind die seelischen Menschen, wie das Neue Testament sie beschreibt und verurteilt. Es sind irdisch Gesinnte, menschlich Gesinnte, die den Heiligen Geist nicht haben und auch nie haben werden (siehe nächstes Kapitel), weil Er sich von ihnen abwendet, so wie sie sich von Gott abwenden und der Welt zuwenden. Ich denke, das ist die größte Gruppe von Schweinen - damals wie heute.

Nicht jedes dieser Schweine wird zum Irrlehrer, aber sie wurden von Irrlehrern verführt, so zu leben wie Schweine und sich dabei als gute Christen zu fühlen. Und sie fühlen sich wohl inmitten von anderen Schweinen, die genauso unrein denken und leben. Schweine bestätigen sich gegenseitig und brauchen diese Bestätigung auch. Auf der anderen Seite fühlen sie sich angegriffen von den guten Lehrern, von reinen Menschen, und mögen diese nicht, sondern suchen den Dreck. Sie haben irdische Wertvorstellungen und treffen irdische Entscheidungen anstatt göttliche. Wir haben viele solcher Schweine schon bei uns in der Gemeinde gehabt. Es sind durchaus fröhliche und angenehme Menschen, oft auch interessiert am Wort Gottes. Eine Zeitlang, solange sie Hunger haben. Irgendwann sind sie satt und lassen es. Und dann stoßen sie sich mehr und mehr an den Worten und Werten, die nicht ihrem seelischen Nervenkostüm und ihrem unreinen Leben entsprechen. Dann wenden sich die Schweine um und versuchen die Nachfolger Christi zu zerreißen - wie Jesus sagte.

Ein typisches Merkmal von seelischen Menschen ist, dass sie leibliche Verwandtschaft weit über geistliche stellen. „Blut ist dicker als Wasser“ ist ihr Motto. Sie halten im Zweifelsfall zu ihrer leiblichen Familie und Herkunft, anstatt zum Herrn und der geistlichen Familie, der Gemeinde. Sie ertragen es nicht, wenn man ihre leiblichen Kinder zurechtweist und entgegnen: „Das sind aber unsere Kinder!“ So als wäre das ein Argument. Damit verleugnen sie ihren Herrn Jesus Christus bzw. deklarieren sich eindeutig als nicht Seine Nachfolger. Denn so war Er nie, sondern das Gegenteil: Jesus ließ Seine leibliche Verwandtschaft, auch Seine Mutter, draußen vor der Tür stehen. Sein letztes Pascha (und wohl auch einige andere) aß Jesus auch nicht im Kreise Seiner leiblichen Familie, sondern natürlich nur mit Seiner geistlichen. Er berief auch nur Jünger, die ihre Familien ohne Widerspruch verließen um Ihm zu folgen. Die Schweine würden aber nie ihre Eltern, Geschwister, Frauen und Kinder für den Herrn verlassen, der doch all dies fordert und noch mehr:

Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. (Mt 10,35ff SCH2000)

Die Apostel sind uns hier die strahlenden Vorbilder. Sie haben wirklich alles verlassen und aufgegeben für ihren Herrn. Das sagte auch Petrus: 

Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil? (Mt 19,27 SCHL2000)

Jesus lobte Seine Jünger genau dafür und versprach ihnen:

Und jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meines Namens willen, der wird es hundertfältig empfangen und das ewige Leben erben. (Mt 19,29 SCHL2000)

Es geht also um nicht weniger als um das ewige Leben, wenn sich die Frage stellt, ob man die leibliche Familie gegen die geistliche eintauschen soll. Wie können dann solche seelischen Leute, die an ihrer leiblichen Familie festhalten, überhaupt noch glauben, dass sie Nachfolger Christi sind, dass sie Christen sind? Weil sie seelisch sind! Weil ihre Seele ihr Kompass ist und ihnen sagt, dass es gut und richtig so ist. Und darum verstehen sie auch viele Worte und Werte in der Schrift falsch, nämlich seelisch, irdisch, menschlich anstatt geistlich. Worte wie Glaube, Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut verstehen sie so, wie ihre Seele sie verstehen möchte, nicht wie der Geist sie lehrt. Daher folgen sie dem Zeitgeist und lassen sich von ihm und der Welt prägen anstatt vom Heiligen Geist. So werden sie blind für die Wahrheit und können nichts vom Heiligen Geist verstehen. Und so können sie die Heilige Schrift gar nicht richtig verstehen. Über die Perlen ärgern sie sich höchstens.

Ein weiteres typisches Merkmal von Seelischen ist, dass sie den guten Willen gleich bewerten - oder sogar höher - als das Ergebnis. Wenn jemand das Gegenteil von dem macht, was er sagt, hört man von Seelischen meist den Satz „Aber er hat es doch nur gut gemeint!“. So ticken seelische Menschen. Von einem Geistlichen wird man das nie hören, und insbesondere nicht von Jesus, der absichtlich von dem Vater lehrte, der zwei Söhne hatte und beiden denselben Befehl gab. Am Ende fragte Jesus nicht „Wer von beiden hat es gut gemeint?“, sondern „Wer von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan?“ (Mt 21,31). Darauf kommt es Gott Vater nämlich an: Auf den Gehorsam, nicht auf gute Absichten, die nicht zum gewünschten Ergebnis führten. Jesus erzählte das nicht ohne Grund und warnte bereits in der Bergpredigt:

Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr“, wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern der, der den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. (Mt 7,21 JA)

Die Frage, ob der Wille des Vaters getan wurde, wird laut unserem zukünftigen Endrichter, nämlich Christus, sogar die entscheidende sein, wer in das Königreich der Himmel eingehen wird. Wenn der Teufel verhindern möchte, dass Menschen ins Königreich kommen, wie würde er das anlegen? Er würde allen einflüstern, dass man nichts tun oder schaffen brauche, sondern dass es völlig reiche, wenn man es gut meint. Und so lehren die Seelischen ihre Kinder von klein auf, dass es nicht wirklich schlimm sei, wenn sie was anstellen oder ungehorsam sind, Hauptsache sie meinten es gut. So erzieht man Menschen aber in der Gesetzlosigkeit anstatt in der Gottesfurcht. „Gut gemeint“ ist die kleine Schwester von „schlecht gemacht“, sagt man bei uns. Seelische verstehen das nicht und nennen das unmenschlich. Weil sie menschlich denken. Das ist wiederum Jesus ein Ärgernis:

Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Weiche von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich! (Mt 16,23 SCH2000)

Die Seele jedes natürlichen Menschen (und sicher auch jene von Petrus) würde sofort „Aua!“ schreien, wenn sie sowas hört und entgegnen: „Das tut weh!“ Das ist das nächste Erkennungszeichen von seelischen Menschen: Wenn ihnen etwas in der Seele weh tut, denken sie, das muss böse sein. Doch diese Idee haben sie nicht vom Heiligen Geist eingeflüstert bekommen, sondern von einem anderen. Der Sohn Gottes hingegen betont:

Alle, die ich lieb habe, die überführe und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! (Offb 3,19)

Die Liebe Gottes tut nun mal weh, genauso wie die Wahrheit. Weil beide überführen, zurechtweisen, züchtigen und zur Buße führen möchten. Das erklärt uns Gott in der gesamten Heiligen Schrift. Paulus erinnert seinen besten Schüler sogar daran, dass das der Grund ist, warum der Heilige Geist die Schrift eingegeben, also inspiriert hat:

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit (2.Tim 3,16)

Wer weder belehrt, noch überführt, noch zurechtgewiesen, noch diszipliniert (das ist der eigentliche Sinn des Wortes „Erziehung“ im biblischen Griechisch) werden möchte, sollte die Heilige Schrift gar nicht lesen. Denn die Schrift will jeden zur Buße führen und zur Gerechtigkeit erziehen - allerdings zur göttlichen Gerechtigkeit, nicht zur menschlichen.

Ein Lehrer wandte sich mal von mir ab mit den Worten: „Melde dich erst wieder, wenn du menschlich geworden bist!“ Damit bekundete er nicht nur, wie menschlich er dachte und somit ein Seelischer war, ein Schwein, sondern machte mir eigentlich ein Kompliment - freilich ohne es zu wollen - denn er erkannte, dass ich göttlich denke anstatt menschlich. Das war es ja auch, was ihn an mir störte: ich beurteilte alles geistlich. Am schlimmsten war für ihn, wie ich seine Kinder, auf die er so stolz war, geistlich beurteilte und ihm erläuterte, wo sie geistlich stehen. Schon Paulus schrieb darüber:

Der geistliche [Mensch] dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt (1.Kor 2,15 SCH2000)

Das ist die schmerzhafte Situation der Seelischen: Sie werden von den Geistlichen geistlich beurteilt, können aber umgekehrt die Geistlichen nicht beurteilen, weil sie gar nicht in der Lage dazu sind. Sie bilden es sich vielleicht ein, versuchen es auf ihre menschliche Art, aber schaffen es nicht, weil die menschlichen, seelischen Maßstäbe nie tauglich sind, um geistliche Menschen zu beurteilen. Die Neue evangelistische Übersetzung formulierte das in ihrer ersten Ausgabe treffend so:

Doch ein Mensch, der den Geist Gottes empfangen hat, kann das alles richtig beurteilen. Er selbst kann allerdings nicht wirklich von einem anderen beurteilt werden, der den Geist nicht hat. (1.Kor 2,15 NeÜ)

Dieses Dilemma ist zwar die beinharte Wahrheit und den Schweinen ein sehr großes Ärgernis, aber es ist nicht das Ende. Denn jeder seelische Mensch kann ein geistlicher werden. Wie das geht? Das erfahren wir im nächsten Abschnitt:


Die Schweine: Katechumenen

Das wird jetzt womöglich die größte Überraschung für viele sein: Viele frühe Christen, die von den Schweinen und Jesu Gebot diesbezüglich schrieben, kamen auf die Taufe und speziell auf die Katechumenen zu sprechen. Denn Katechumenen sind auch Schweine, vor die man keine Perlen werfen soll.

Wieso das? Und was sind Katechumenen überhaupt?

Als Katechumenen (von griech. κατηχούμενος, katēchoumenos – „der gerade Unterwiesen-werdende“) bezeichnete man zur Zeit der frühen Christen jene Menschen, die sich aktiv und freiwillig darum bewarben, getauft zu werden. Der Begriff taucht ab dem zweiten Jahrhundert auf. Heute würde man Taufbewerber oder Täuflinge sagen. Es steckt aber hinter dem Wort mehr als nur ein Taufwunsch, nämlich eine radikale Lebensänderung, der eine gewisse Taufvorbereitung und Aufnahmeprozedur vorausgeht. Diese konnte je nach Gemeinde unterschiedlich lange dauern, von ein paar Monaten bis hin zu Jahren. In dieser Zeit wurde der Katechumen, der Taufbewerber, in den Grundlagen des Glaubens, der Gemeinschaft, der Heiligung und der Gemeindezucht unterwiesen und von der ganzen Gemeinde begleitet und beobachtet. Er musste in Wort und Tat beweisen, dass er dem Teufel und seinen Dämonen sowie der Welt und ihrem Prunk absagt und sich unter die Herrschaft Christi stellen will. Je gewissenhafter eine Gemeinde das handhabte, desto länger dauerte diese Zeit. Das hing natürlich auch von den Katechumenen selbst ab, ob sie schon bereit waren zur Taufe oder nicht. Erst mit ihrer Taufe wurden sie in den Leib Christi aufgenommen und fortan als Christen angesehen, als Brüder und Schwestern. Davor waren sie nur Katechumenen und wurden auch anders behandelt. Daher die eigene Bezeichnung. Irrlehrer und häretische Gemeinden erkannte man daran, dass sie auffallend anders mit dem Thema umgingen. Einige Häretiker waren selbst nicht getauft und bezeichneten sich aber als Christen. Das ist bis heute so. 

Sehen wir uns nun an, was die frühen Christen dazu zu sagen hatten.

Hippolytus von Rom schrieb unter anderem folgende Anweisungen für die Katechumenen:

Die Katechumenen sollen im Unterrichte nur hören, was sich auf den Glauben bezieht, und nur diese erhabene Lehre (nichts Weltliches). Der Katechumene halte seine nächsten Verwandten von sich fern und ertrage alle Unbequemlichkeiten, die der Religion wegen über ihn kommen. Er nehme sein Kreuz auf sich und folge dem Erlöser nach und sei bereit, wegen des Bekenntnisses Christi den Tod zu erdulden. Denn es gibt keinen Ausweg, daß der Mensch, welcher nach Vollkommenheit strebt, nicht versucht werde, wie unser Herr durch folgende drei Versuchungen versucht worden ist, nämlich durch Begierlichkeit, Stolz und Habsucht.

Hippolytus von Rom Canones Hippolyti (BKV), 30. Canon. Über die Katechumenen und einiges Andere, was sich auf sie bezieht.

Hippolytus erinnert die Katechumenen daran, dass der Herr Jesus selbst sofort nach Seiner Taufe vom Teufel heftig versucht wurde, auf drei teuflische Arten, und beschreibt in Folge ausführlich diese Versuchungen, um die Katechumenen darauf vorzubereiten. Schließlich kommt er zu folgender Warnung:

Wessen Wirken und Streben aber nicht durch Wachsamkeit geschützt wird, das wird durch Brand untergehen, weil es das Leben nicht hat in der Tugend, sondern todt ist in der Verkehrtheit; und sie selbst sind für den Ofen bestimmt, d. h. sie werden dem Teufel zum Spott dienen, sie, die Anfangs in der Taufe mit ihrem Munde gesagt haben: „Ich entsage dir, o Satan;“ und nun eilen sie in der That durch ihre bösen Werke zu ihm zurück. Der Teufel scheint indessen in Wirklichkeit keine sehr große Freude an Denen zu haben, die mit ihm sind und ihm angehören, wie Jene, die dem Leibe nach mit uns, dem Geiste nach aber mit ihm sind.
Von Diesen sagt der Apostel: „Sie bekennen Gott zu kennen, mit den Werken aber verleugnen sie ihn.“ Und von ihnen heißt es in den Sprüchwörtern: „Wie ein 'Hund, welcher zurückkehrt zu dem, was er gespieen', so ist der Unverständige, welcher zurückkehrt zu seinen Sünden.“ Der selige Petrus sagt aber von ihnen: „Sie gleichen einem Schweine, welches geschwemmt sich wieder in seinem Kothe wälzt.“

Hier spricht Hippolytus von Katechumenen, die nach ihrer Taufe wieder zum Teufel zurück kehren, dem sie in der Taufe aber entsagt hatten (Das ist ein früher, schriftlicher Beleg für den Treueid, den die Täuflinge bei der Taufe ablegten. Mehr dazu in unserem Buch ÜBER DIE TAUFE). Hippolytus verweist an der Stelle auf einen Ausspruch des Petrus, wonach das Schwein sich wieder im Kot wälzt, nachdem es gebadet ist  (2. Petr 2,22). Hippolytus, der in derselben Gemeinde Bischof war, wo einst Petrus der erste Bischof war, wusste, dass Petrus diesen Spruch auf jene Schweine bezog, die nach ihrer Taufe erneut ihr sündiges Leben fortführen. Moderne Christen sehen hier oft keinen Zusammenhang zur Taufe. Den frühen Christen war das aber noch gut bekannt. Sie kannten Petrus persönlich oder wenigstens jemand, der von Petrus unterwiesen wurde. Begriffe wie „Bad“ oder „baden“ sind im Neuen Testament Synonyme für die Taufe, die oft nur „das Bad“ genannt wurde im frühen Christentum. Die Langform davon war „das Bad der Wiedergeburt“. Hippolytus weiß noch mehr über diese gebadeten Schweine zu berichten, die sich wieder im Kot wälzten:

Und von dieser Art gibt es nicht Wenige, die vor Gott sagen: Ich will Alles thun, was du willst, aber zugleich in ihren bösen Absichten zur Sklaverei des Teufels zurückkehren. Ein Solcher gleicht einem Soldaten, der zwar den Soldatenanzug annimmt, sich aber das Militärwesen und Kleid nicht angelegen sein läßt, weßhalb er, wenn seine Vergehen auskommen, mit Schande überhäuft wird; ein Solcher kann sich wohl für sich einen Soldaten nennen, obschon er Nichts als die äußere militärische Form hat, die ihn freilich in den Stand setzt, sich einen Soldaten nennen zu können. So rühmen sich Einige, Christen zu sein, haben aber die Werke nicht; Solche werden von Gott und Menschen Dämonen genannt, weil sie die Werke des Satans nicht hassen, sondern auf sie erpicht sind. Solche bekommen hier den Namen Teufel, deren Loos sie auch im andern Leben theilen; denn an jenem Tage wird der Erlöser zu ihnen sagen: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist.“ Denn wie sie seine Werke geliebt haben auf Erden und mit ihm vereinigt geblieben sind in ihrem Leben, so werden sie auch mit ihm vereinigt sein in der Hölle, wenn sie in ihren unreinen Gesinnungen gestorben sind.

Dem Christen aber ziemt es, in den Geboten Christi wandelnd, sich Gott ähnlich zu machen, wie geliebte Söhne sich in Allem Christus ähnlich machen. Sie lästern nicht, sind nicht unzüchtig, keine Spötter und Verleumder, leben nicht lasterhaft mit müssigen Weibern, sind fern von Lügen, begehren nicht Das, was vergeht, sind nicht halsstarrig noch aufgeblasen, noch beharren sie gegen Jemanden im Zorn, murren nicht, noch urtheilen sie über Dinge, die sie nicht angehen, noch verwenden sie ihr Vermögen auf Geschäfte, in denen kein Heil, noch thun sie, was mit dem Gesetze nicht übereinstimmt, noch sind sie hartherzig, geben kein falsches Zeugniß, sind nicht Fresser und Säufer, nicht habsüchtig, hangen nicht an der Welt noch an den Weibern, sind mit einer Frau in gesetzlicher Ehe verbunden, sind nicht neidisch, nicht nachlässig im Kirchenbesuch, erziehen ihre Kinder in der Gottesfurcht und fliehen nicht vor den Verfolgungen. Sie liegen der Lektüre und der Betrachtung Dessen ob, was sie (in der Kirche) gehört haben, enthalten sich der Beleidigungen, ihre Hände sind nicht schnell zum Strafen, bezahlen schnell ihre Schulden, damit derentwegen der Name des Herrn nicht gelästert werde. Sie sind nicht träge, vergessen nicht die Dürftigen, die sie um Hülfe angehen, verrathen keine ihnen anvertrauten Geheimnisse, verrücken die Gränzen nicht, treiben keinen Wucher, sind vielmehr den Fremden gewogen, verstoßen Die nicht, welche fern her kommen, sondern zählen sie zu ihren Kindern, sind nicht trügerisch im Geben und Nehmen, bedienen sich beim Wägen und Messen keines doppelten Gewichts, sind nicht saumselig und nachlässig in dem Empfange der hl. Kommunion und in den Anbetungen. Sie bedienen sich niemals des Eides, noch leben sie vertraut mit Fremden, und indem sie Gott dienen und ihre Arbeiten verrichten, folgen sie der Vorschrift des Evangeliums, welches allen Geschöpfen, die unter dem Himmel sind, verkündet worden ist.

Der Christ, welcher in Diesem allen verharrt, trägt das Bild Christi selbst an sich und wird dereinst zu seiner Rechten wie die Engel leuchten und wird von ihm die Krone der Herrlichkeit erhalten, wie er die Krone der Tugend empfangen hat: die edelste Vollkommenheit und die Bewahrung des Glaubens. Sie werden die Krone des Lebens empfangen, die seinen Freunden verheissen ist.

Hippolytus von Rom, Canones Hippolyti (BKV), 30. Canon. Über die Katechumenen und einiges Andere, was sich auf sie bezieht.

Cyrill von Jerusalem weiß ebenfalls die Täuflinge zu ermahnen und darum, dass der Heilige Geist selbstverständlich weiß, wie mit Schweinen umzugehen ist und sich nicht täuschen lässt bei der Taufe:

Doch zuvor prüft der Geist die Seele; (denn) nicht wirft er die Perlen vor die Schweine. Wenn du als Heuchler kommst, taufen dich zwar jetzt die Menschen, doch der Geist wird dich nicht taufen. Wenn du dich aber vom Glauben hinführen läßt, dann gibt der Hl. Geist, während Menschen sichtbare Zeremonien verrichten, die unsichtbare Gnade. Du kommst zu einer bedeutungsvollen Prüfung, zu einer wichtigen Musterung, die eine Stunde dauert. Ist die Stunde für dich verloren, dann läßt sich das Übel nicht mehr gut machen. Wenn du aber der Gnade gewürdigt wirst, wird deine Seele erleuchtet, und du erhältst eine Kraft, welche du nicht hattest. Waffen empfängst du, vor welchen die Dämonen sich fürchten. Wenn du die Waffen nicht wegwirfst, das Siegel vielmehr in der Seele behältst, tritt der Dämon nicht an dich heran. Er hält sich scheu zurück, da ja im Geiste Gottes die Dämonen ausgetrieben werden.

Cyrill von Jerusalem (313-387) Procatechesis et Catecheses ad illuminandos Katechesen an die Täuflinge (BKV), XVII. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem. Über den HI. Geist. (Fortsetzung.) 36.

Das ist ein starkes Zeugnis für die Souveränität des Heiligen Geistes. Er beurteilt unabhängig von menschlichen Instanzen und lässt sich nicht durch die Taufe erzwingen. Er prüft vorher eigenständig die Seele des Täuflings. Hält sie der Prüfung stand, wird sie versiegelt als Zeichen für die Dämonen. Hier steckt viel Weisheit und Geheimnis dahinter, das ich hier nicht näher ausführe, weil es auch nicht mit dem Thema selbst zu tun hat. Es sei nur darauf hingewiesen, dass nicht der Mensch allein aus eigener Kraft geistlich sein kann - er braucht dazu den Heiligen Geist. Doch der Geist ist souverän und zieht nicht in jede Behausung ein, die Ihm angeboten wird. Er prüft. Und genau darum dreht sich die Vorbereitungszeit der Katechumenen in einer guten, rechtgläubigen Gemeinde. Sie bereitet die Taufbewerber perfekt auf die Taufe und den Heiligen Geist vor. Sind sie nicht dazu bereit, werden sie nicht vom Geist getauft. Das ist eine kompetente Erklärung dafür, warum nicht alle Getauften den Heiligen Geist haben. Und auch eine, warum Schweine, die sich nach der Taufe wieder dem Teufel zuwenden indem sie sich in ihren alten Sünden erneut suhlen, den Heiligen Geist verlieren. Seelische können zu Geistlichen werden - und umgekehrt. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Häretiker sehen das freilich anders und gehen andere Wege, wie Tertullian schreibt:

Ich will nicht unterlassen, auch von dem Wandel der Häretiker eine Schilderung zu entwerfen, wie locker, wie irdisch, wie niedrig menschlich er sei, ohne Würde, ohne Autorität, ohne Kirchenzucht, so ganz ihrem Glauben entsprechend. Vorerst weiß man nicht, wer Katechumen, wer Gläubiger ist, sie treten miteinander ein, sie hören miteinander zu, sie beten miteinander; auch wenn Heiden dazu kommen, werfen sie Heiliges den Hunden und Perlen, wenn auch unechte, den Säuen hin. Das Preisgeben der Kirchenzucht wollen sie für Einfachheit gehalten wissen, und unsere Sorge für dieselbe nennen sie Scharwenzelei. Was den Kirchenfrieden angeht, so halten sie ihn unterschiedslos mit allen. Es ist in der Tat auch zwischen ihnen, obwohl sie abweichende Lehren haben, kein Unterschied, wenn sie nur zur gemeinschaftlichen Bekämpfung der einen Wahrheit zusammenhalten. Alle sind aufgeblasen, alle versprechen Erkenntnis. Die Katechumenen sind schon Vollendete, ehe sie noch Unterricht erhalten haben. Und selbst die häretischen Weiber, wie frech und anmaßend sind sie! Sie unterstehen sich, zu lehren, zu disputieren, Exorzismen vorzunehmen, Heilungen zu versprechen, vielleicht auch noch zu taufen. Die Ordinationen der Häretiker sind aufs Geratewohl leichtfertig und ohne Bestand. Bald stellen sie Neophyten an, bald an die Welt gefesselte Männer, bald unsere Apostaten, um die Leute durch die Ehre an sich zu ketten, da sie es durch Wahrheit nicht vermögen. Nirgends gibt es leichtere Beförderung als im Lager der Rebellen, wo bloß sich aufzuhalten schon als Verdienst gilt.

Tertullian De praescriptione haereticorum Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (BKV), 41. Kap.

Jede Zeile birgt Sprengstoff in sich und ist es wert, gut durchgekaut zu werden.  Mit seiner typischen Schärfe und Brillanz skizziert Tertullian hier messerscharf den Unterschied zwischen Häretikern und rechtgläubigen Gemeinden. Man beachte etwa die „an die Welt gefesselten Männer“ oder dass „sich aufzuhalten schon als Verdienst gilt“. Allein anhand dessen, wie mit den verschiedenen Gruppen umgegangen wird, ist entlarvend - damals wie heute. Die Irrlehrer unterscheiden nicht zwischen Gläubigen und Katechumenen, ja nicht mal zwischen Gläubigen und Ungläubigen (Heiden). Alle bekommen bei den Häretikern dasselbe geboten, alle werden gleich behandelt. Auf die Art werfen sie durch ihre niederschwellige Praxis bedenkenlos Perlen vor die Schweine - wenn auch unechte. 

Athanasius von Alexandrien tadelt ebenfalls diese Gemeindepraxis der Irrlehrer:

Und sie schämen sich nicht, mit diesen Geheimnissen vor den Katechumenen, ja was das Schlimmste ist, vor den Heiden Scandal zu erregen, da man doch, wie geschrieben steht, das Geheimniß des Königs verbergen soll, wie auch der Herr befahl: „Gebet das Heilige nicht den Hunden, und werfet die Perlen nicht den Schweinen vor!“ Denn man muß nicht die Geheimnisse den Uneingeweihten zum Besten geben, damit nicht die unwissenden Heiden darüber lachen, den Katechumenen aber, indem sie zur Neugierde gereizt werden, Ärgerniß gegeben werde.

Athanasius von Alexandrien (295-373) Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda] Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (BKV), 11.

Man soll die Katechumenen also nicht zur Neugierde reizen, indem man ihnen Perlen vorwirft. Seelische Menschen (siehe vorheriges Kapitel) werden sich über solche Aussagen ärgern, denn sie empfinden Neugierde als etwas positives, etwas gutes. So sieht es die Seele. So sieht es der Zeitgeist. Aber der Heilige Geist lobt Neugier nie. Sie ist keine Frucht des Geistes. Sie bewirkt im Gegenteil Früchte, die der Heilige Geist verurteilt, wie etwa, dass man sich in Dinge einmischt, die einen nichts angehen (vgl. 1.Petr 4,15). Wir lasen vorhin, wie auch Hippolytus das wusste und anprangerte. Und wohin führt Neugier? Meist führen neugierige Fragen direkt zu törichten Streitfragen, die wir abweisen sollen:

Die törichten Streitfragen aber und Geschlechtsregister, sowie Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen über das Gesetz meide; denn sie sind unnütz und nichtig. (Tit 3,9 SCH2000)

Die törichten und unverständigen Streitfragen aber weise zurück, da du weißt, dass sie nur Streit erzeugen. (2.Tim 2,23 SCH2000)

Ich bekomme in der Tat immer wieder sehr neugierige Fragen gestellt über das Wort Gottes oder über Gott und Jesus selbst. Sie klingen auf den ersten Blick interessiert und gut - aber sie verraten eine neugierige Seele, die oft nur Freude daran hat, etwas neues zu erfahren, worüber sie dann stolz sein und sich über andere erheben kann, vielleicht am Ende sogar über Gott. Das ist der Weg der Gnostiker. Sie wissen über den Schöpfergott mehr als er selbst. Die Heiligen hingegen sind zur Demut aufgefordert und Unterordnung. Der Jünger ist nicht über dem Lehrer, noch der Sklave über seinem Herrn. Deshalb bezeichneten sich alle Apostel stets als Jünger und Sklaven ihres Herrn Jesus - und benahmen sich auch entsprechend. Die frühen Christen traten treu und ebenso demütig in diese Fußstapfen.

Diese frühchristlichen Befunde sind in ihrer Klarheit vielleicht auch schockierend für heutige Gemeinden. In jedem Fall sind sie heilsam. Wir brauchen die Erfahrung und Einsicht der frühen Kirche, um nicht auf die Seite der Irrlehrer zu kippen. Wie weit weg sind wir doch heute von der Urgemeinde und dem frühen Christentum? Wie wenig beherzigen wir das Gebot Christi, keine Perlen vor die Schweine zu werfen? Verstehen wir dieses Gebot heute überhaupt richtig? Ich muss zugeben, dass ich hier fahrlässig gewesen sein könnte und womöglich schon Perlen vor die Schweine geworfen habe. Jedenfalls erlebte ich bereits, wie die Schweine sich umwandten und mich zerreissen wollten. Aber was richtete ich damit für einen Schaden an? Wer kann das ermessen? Und was sind überhaupt diese Perlen? Schauen wir uns auch das noch genauer an:


Die Perlen

Mit Perlen verbinden die Menschen damals wie heute kostbare Steine von hohem Wert. Um den wahren Wert zu erkennen und zu bestimmen, ob es überhaupt echte Perlen sind, dazu braucht es Experten, Kenner. Deswegen hat Jesus beispielsweise das himmlisches Königreich mit einer Perle verglichen, für die ein Kaufmann alles was er hat verkauft, nur um diese eine Perle zu besitzen (Mt 13,45). Auch das himmlische Jerusalem hat Perlen, nämlich seine zwölf Tore bestehen aus zwölf Perlen (Offb 21,21). Beide Bilder passen geistlich zu dem, was Jesus in der Bergpredigt meinte, als Er sagte, dass wir unsere Perlen nicht vor die Schweine werfen sollen. Ich verriet bereits in der Einleitung, dass Jesus damit gewisse Lehrinhalte meinte. Die Frage ist nun: Welche?

Origenes, der nicht nur Katechumenen unterwies und nicht nur den ersten Bibelkommentar der Christenheit verfasste, verbrachte auch viel Zeit damit, die tiefen Hintergründe von allem zu ergründen und somit profund Irrlehrer zu widerlegen, die mit perfiden Sonderlehren und Geheimlehren immer wieder leichtfertige Christen verführten. Einer der Haupttaktiken der Häretiker war ja, dass sie die Apostel, Propheten und Lehrer Christi als ungebildet und unwissend darstellten, so als wüssten die nicht alles und so als würden sie einen Gott anbeten, der sie absichtlich dumm und unwissend bleiben lässt. Das war auch schon die erste Taktik des Teufels, der Schlange, die Eva genau mit dieser Masche verführte um vom Baum der Erkenntnis zu essen. Diesen Baum hat Gott aber aus gutem Grund den Menschen verboten. Wie antwortete nun Origenes einem solchen Verführer, der mit besonderen Lehren versuchte die Christen herauszufordern?

Wir könnten über diesen Gegenstand viele und tiefe Gedanken äußern, doch es paßt auf ihn das Wort: „Das Geheimnis eines Königs zu verbergen ist schön“. Sonst würde vielleicht die Lehre von der Bindung der Seele an den Leib, die nicht eine Wanderung derselben von einem Leib in einen andern voraussetzt, den ersten besten Leuten zu Ohren kommen, und so würde „das Heilige den Hunden gegeben“, und „die Perlen würden den Schweinen vorgeworfen werden“. Ein solches Handeln wäre gottlos und würde Verrat an den geheimnisvollen Aussprüchen der göttlichen Weisheit in sich schließen, von der so schön geschrieben steht: „In eine Böses ersinnende Seele wird die Weisheit nicht eingehen, noch wird sie Wohnung nehmen in einem Leibe, der der Sünde verfallen ist“. Es genügt aber, das mit verborgenem Sinn in der Form einer Erzählung Gesagte nach Art der Geschichte darzustellen, damit die Befähigten den Sinn der Stelle für sich selbst mit herausarbeiten können.

Origenes († 253/54) Contra Celsum Gegen Celsus (BKV), Fünftes Buch, 29.

Was fällt auf? Vieles, wie ich meine. In dem kurzen Text steckt eine geballte Ladung, die es zu erfassen gilt und die auch andere frühe Christen uns in Folge liefern werden. Erstens kennen moderne Christen höchstwahrscheinlich nur eine der drei zitierten Stellen. Den Rest können sie nur finden, wenn sie die vollständigen Schriften haben, wie Jesus, Seine Aposteln und die frühen Christen sie hatten. Mehr sage ich jetzt dazu nicht. Ich habe auch bewusst sämtliche Schriftzitate der frühen Christen in diesem Beitrag nicht mit Quellenangaben versehen, denn das taten die frühen Christen auch nicht. Sie muteten ihren Lesern zu, dass sie entweder die Schriften kennen oder sich darin unterweisen lassen. Alle anderen, die lieber urteilen als zu wissen, fallen automatisch unter das Gebot, um das es hier geht. Genauso handhabten das übrigens bereits alle Autoren des Neuen Testaments. Zweitens kennt Origenes nicht nur das Gebot, sondern beachtet es auch gewissenhaft und bindet nicht den ersten besten Leuten alle Lehren auf die Nase. Drittens nennt Origenes ein solches Handeln, das jedem alle Lehren zu Ohren kommen lässt, gottlos und Verrat an den geheimnisvollen Aussprüchen der göttlichen Weisheit. Starke Worte. Gottlosigkeit und Verrat sind immerhin Ausschlussgründe vom Reich Gottes! Höchste Zeit also, sich Gedanken darüber zu machen.

Clemens von Alexandria bekennt:

Da die Überlieferung wenigstens nach dem Urteil dessen, der eine Vorstellung von der Erhabenheit der Lehre bekommen hat, kein Gemeingut und nicht allen ohne Unterschied zugänglich ist, muß man also „die in der Form eines Geheimnisses verkündete Weisheit“, die der Sohn Gottes lehrte, verbergen.

So muß ja der Prophet Jesaias seine Zunge mit einem Feuerbrand reinigen lassen, damit er das Gesicht verkündigen könne, und auch bei uns muß nicht nur erst die Zunge, sondern auch das Gehör geheiligt werden, wenn wir versuchen wollen, Teilhaber der Wahrheit zu sein.

Dieser Gedanke hemmte mich beim Schreiben, und noch jetzt scheue ich mich, „die Perlen“ wie es heißt, „vor die Schweine zu werfen, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten und sich gegen euch wenden und euch zerreißen.“

Denn es ist schwer, die wahrhaft reinen und durchscheinenden Lehren über das wahre Licht vor Hörern zur Schau zu stellen, die den Schweinen gleichen und „ungebildet“ sind. „Denn es gibt kaum irgendwelche Lehren, die anzuhören der großen Masse mehr Anlaß zu Spott, den Verständigen dagegen mehr Anlaß zu Bewunderung und Begeisterung gäbe.“

Clemens von Alexandrien (150-215) Stromata Teppiche (BKV), Erstes Buch, XII,55.

Clemens hat beim Schreiben Hemmungen wegen der Menschen, die den Schweinen gleichen und „ungebildet“ sind, denn er will ihnen keinen Anlass zum Spott geben. Sehr ähnliche Bedenken hatte auch Hippolytus von Rom als er sein Buch über Christus und Antichrist schrieb. Er beginnt daher das Buch mit folgenden Anweisungen an den Empfänger:

Weil du die Hauptstücke, die ich dir vorgelegt habe, gründlich kennen lernen möchtest, mein lieber Bruder Theophilus, so habe ich für angemessen gehalten, das, wonach du forschest, aus den heiligen Schriften, wie aus einer heiligen Quelle zu schöpfen und dir vor Augen zu stellen, damit du es nicht allein mit Freuden den Ohren der Menschen vortragen, sondern auch nach Kräften die Thatsachen selbst untersuchen möchtest, um in Allem Gott loben zu können. Auch wird es dir ein sicherer Zehrpfennig in dem gegenwärtigen Leben sein, das, was Vielen schwer zu erkennen und zu erforschen ist, aus vorliegendem Vortrage zu entnehmen und in die Tafeln deines Herzens wie Weizen in reines Land zu säen. Zugleich wirst du damit Diejenigen beschämen, welche sich der heilbringenden Lehre widersetzen und sie bestreiten. Aber hüte dich, dasselbe ungläubigen und lästerlichen Zungen aufzuhängen, — das wäre gefährlich; — dagegen theile es religiösen und gläubigen Menschen mit, die da mit der Furcht Gottes heilig und gerecht leben wollen. Denn nicht umsonst ermahnt der selige Apostel den Timotheus, indem er sagt:  „O Timotheus, das Hinterlegte bewahre! Weise zurück die heillosen Wort-Neuerungen und Gegensätze der fälschlich sogenannten Erkenntniß.“ Und ferner: „Du also, mein Kind, erstarke in der Gnade, die da ist in Christus Jesus, und was du gehört hast von mir durch viele Zeugen, Dies lege nieder an zuverlässige Menschen, welche tüchtig sein werden, auch Andere zu lehren.“ Wenn nun der Selige mit Behutsamkeit das übergab, was von Allen leicht eingesehen werden konnte, indem er im Geiste erkannte, daß nicht Alle den Glauben daran hatten, wie viel mehr liefen wir dann Gefahr, wenn wir ohne Grund und aufs Gerathewohl unreinen und unwürdigen Menschen die Aussprüche Gottes mittheilten!

Hippolytus von Rom (170-235) De Christo et Antichristo Das Buch über Christus und den Antichrist (BKV), 1.

Und tatsächlich hörte ich schon, wie moderne Lehrer und Pastoren über dieses Buch lästerten und Hippolytus zerrissen. Es sind die „ungläubigen und lästerlichen Zungen“, vor denen Hippolytus bereits warnte, so wie Jesus vor den Schweinen. Sie waren in jeder Hinsicht unwürdig und keinesfalls tüchtig, den hohen Level geistlicher Betrachtung zu erfassen. Aber wie soll man bei einem Buch, das öffentlich allen zugänglich ist im Internet, gewährleisten, dass es nicht in falsche Hände kommt? Dass es nicht die Schweine lesen? Genau darum hatten viele frühe Christen Hemmungen bereits beim Schreiben. Und auch schon die Autoren des Alten Testaments kannten diese Bedenken, wie Athanasius von Alexandrien weiß:

„In meinem Herzen verbarg ich Deine Reden.“ Denn wenn man nicht wie in Schatzkammern die Gebote Gottes in seinem Herzen verschließt, so kommt der Böse und nimmt sie weg.“ Es sündigt gegen Gott, wer geheimer Reden gewürdigt wird, die man der Menge geheim halten soll, und sie nicht vor denen verbirgt, vor denen man sie verbergen soll. Denn es ist mit Gefahr verbunden, nicht nur Lügen auszusprechen, sondern auch die Wahrheit, wenn man überhaupt ausredet, was man nicht ausreden soll. Denn man soll die Perlen nicht den Schweinen vorwerfen noch das Heilige den Hunden geben.

Athanasius von Alexandrien (295-373) Expositiones in Psalmos Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (BKV), Ps 118,1-40, CXVIII. 

Schon kann ich aus verschiedenen Richtungen die entrüsteten Einwände hören: „Geheime Reden?“ und „Seit wann gibt es im Christentum Geheimlehren? Ist das nicht vielmehr das Merkmal der Gnostiker?“ und ein besonders „bibelfester“ Lehrer wirft ein Herrenwort ein:

Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet; ich habe stets in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo die Juden immer zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet. (Joh 18,20 SCH2000)

Ja, genau solche Einwände passen perfekt zum ersten Kapitel über die Häretiker und deren oberflächliches Verständnis der Rhetorik Gottes. Wer vermeintlich absolute Worte wie „stets“, „immer“ oder „nichts“ bei mir falsch versteht, versteht sie auch aus dem Munde Jesu falsch. Wir dürfen nicht mit unserem heutigen engstirnigen, menschlichen, linearen, politisch korrekten, konkordanten Wortverständnis an die Rhetorik der Antike herangehen. Schon gar nicht an die geistliche Rhetorik Gottes, die viel tiefer geht als seelische Menschen sie je verstehen werden. Tatsache ist, wenn man diesen einen Satz Jesu isoliert und wortwörtlich nimmt, dann war der Herr ein Lügner. Denn Er hat nicht „stets“ in der Synagoge und im Tempel gelehrt. Und „die Juden“ sind dort auch nicht „immer“ zusammengekommen. Einige Begebenheiten sind auch in den Evangelien dokumentiert, wo Er sehr wohl im Verborgenen redete zu wenigen Auserwählten. Ich denke da an den Berg, wo Jesus nur mit Seinen drei engsten Jüngern war und verklärt wurde. Was sie dort hörten und sahen, durften sie nachher niemandem sagen, auch nicht den anderen Jüngern. Oder das Vieraugengespräch, das Jesus mit Nikodemus hatte. Dort enthüllte Jesus dem Schriftgelehrten Dinge, die Er sonst so nirgendwo sagte, jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Für menschlich gesinnte, weltliche Leser sind das Widersprüche im Neuen Testament, die sie an der Glaubwürdigkeit der Bibel zweifeln lassen - auch an der Glaubwürdigkeit Christi!

Für die frühen Christen war das alles aber stimmig und vom Heiligen Geist so eingerichtet, dass es nur die verstehen, denen es gegeben ist. Das war übrigens auch ein Grund, weshalb Jesus in Gleichnissen redete in der Öffentlichkeit. Die frühen Christen bekamen von den Aposteln nicht nur die gesunde Lehre unverfälscht überliefert, sondern auch, was davon Perlen sind. Maßgeblich war hier zuletzt der Apostel Johannes, der nicht nur einer der drei Auserwählten war, die die Verklärung Christi als Augen- und Ohrenzeuge miterleben durfte, sondern der auch noch einen anderen, ganz exklusiven Einblick gewährt bekam vom Herrn: nämlich die sogenannte Offenbarung, die heute das letzte Buch im NT ist. Darin erfahren wir, dass Johannes Dinge sah und hörte, die er gar nicht aufschreiben durfte, sie waren also geheim. Aus dem Grund wurde das Buch mit besonderer Ehrfurcht behandelt in den ersten Jahrhunderten und galt als geheime Offenbarung. Übrigens genossen alle Bücher des Johannes einen Sonderstatus von Beginn an. Sie wurden geschrieben als alle anderen Apostel längst tot waren und enthielten Reden Christi, die sonst in keinem anderen Evangelium stehen. Etwa zum Beispiel jenes bereits erwähnte vertrauliche Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus. Im frühen Christentum wurde das wie eine Perle gehütet und selten zitiert. Seit ein paar Jahrhunderten wird ein Satz daraus besonders gerne in aller Öffentlichkeit hinausposaunt und bedenkenlos allen Ungläubigen vorgeworfen wie Perlen vor die Schweine: Er ist heute bekannt unter der Quellenangabe „Johannes 3,16“ und gilt in vielen Kreisen als der meistzitierte Satz der Bibel in der Neuzeit. Ganz anders war das im frühen Christentum. In den ersten drei Jahrhunderten schaffte es dieser Vers nicht einmal unter die Top 500 sondern versteckte sich irgendwo weit hinter Platz 900! Das liegt daran, dass die frühen Christen sich von den Aposteln leiten ließen und in ihre Fußstapfen traten. Und sie hielten sich an Christus und Sein Gebot, dass man Perlen nicht vor die Schweine werfen soll. Schließlich hatte der Herr diesen Satz auch keinem Ungläubigen gesagt, schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. Wenn der Meister etwas zu einem verständigen Schriftgelehrten unter vier Augen sagt, welcher Jünger würde das dann den Passanten auf der Straße erzählen?

Ein anderer Apostel, dem ebenfalls geheime Dinge offenbart wurden, war Paulus. Er wurde in den dritten Himmel entrückt und schrieb kein Wort darüber, was er dort sah und hörte. Stattdessen schrieb er, dass sein Evangelium vor vielen Leuten verhüllt ist:

Wenn aber unser Evangelium verhüllt ist, so ist es bei denen verhüllt, die verlorengehen; bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, sodass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist. (2.Kor 4,4-5)

Auch in diesem kurzen Satz steckt eine Fülle von Weisheit verborgen. Einen Aspekt davon haben wir in einem anderen Beitrag behandelt: Wer ist der Gott dieser Welt? Weitere Aspekte zeigt uns Johannes Chrysostomus:

„Damit ihnen nicht strahle das Leuchten des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi;“ nicht damit sie an Gott nicht glauben, sondern damit ihr bestehender Unglaube nicht sehe, was hinter der Hülle verborgen ist. Das hat auch uns Christus geboten, indem er befahl, die Perlen nicht vor die Schweine zu werfen. Denn hätte Gott auch vor Ungläubigen das Evangelium enthüllt, so wäre ihre Krankheit nur noch schlimmer geworden. Zwingt man Einen, der an den Augen leidet, in die Strahlen der Sonne zu schauen, so verschlimmert sich noch sein Übel. Darum verschließen auch die Ärzte solche Kranke in dunkle Räume, damit nicht das Gebrechen noch mehr zunehme. So nun muß man es sich auch hier vorstellen. Jene sind ungläubig gewesen aus eigener Schuld ; und einmal dem Unglauben verfallen, konnten sie dann nicht mehr die Wunder des Evangeliums schauen, indem Gott ihnen jetzt die Strahlen verschloß. So sprach auch Christus zu seinen Jüngern: „Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie hörend nicht hören.“ Ein Beispiel mag uns, was ich sage, noch deutlicher machen. Denke dir irgend einen Heiden, der unsere ganze Lehre für ein Mährchen hält! Was wird nun für diesen besser sein, wenn er zu uns hereintritt und die Geheimnisse schaut, oder wenn er draussen bleibt? Darum sagt Paulus: „Damit ihnen nicht strahle das Leuchten;“ und dabei schwebt ihm noch immer der Vorgang mit Moses vor Augen. Denn was bei Moses gegenüber den Juden geschah, Das wiederholt sich bei allen Ungläubigen beim Evangelium.

Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV), Achte Homilie., II.

Hier sehen wir, dass Chrysostomus bereits ein Gratwanderer ist zwischen zwei Lehrtraditionen, die er harmonisieren will. Einerseits steht er noch mit einem Fuß auf der Lehre der Apostel, andererseits schon mit dem anderen Fuß im neuen weltlichen, menschlichen Gedankenmodell der Konstantinischen Kirche. Chrysostomos erkennt noch präzise, dass Paulus hier auf das Gebot des Herrn mit den Perlen vor die Schweine anspielte. Und er erkennt, dass auch das Evangelium solch eine Perle sein kann. Was er aber leider menschlich verwischt, ist die Ursache. Chrysostomus will offensichtlich niemand in der Seele weh tun und projiziert diesen seinen großen Wunsch auf Paulus, Jesus und Gott selbst, denen er menschliche Züge zuschreibt, die Rücksicht auf die Ungläubigen nehmen. So als würde Paulus oder gar Gott die Gläubigen behutsam psychologisch betreuen, bis sie bereit sind für das Evangelium und die Wahrheit. Und so als wäre das Evangelium in seiner Strahlkraft schlecht für die Ungläubigen, als müsse man die Ungläubigen verblenden, um sie zu schützen. Doch das tat Jesus nie und gebot Er auch nie. Stattdessen gebot Er Seinen Jüngern zu prüfen, ob eine Stadt oder ein Haus es wert sei, das Evangelium zu hören. Wenn nicht, dann sollen sie den Staub von ihren Füßen schütteln und weiter ziehen. Das ist eine komplett andere Position. Wir werden eine eigene Abhandlung über die Verblendung schreiben, wie bereits in dem anderen Beitrag (Wer ist der Gott dieser Welt?) angekündigt, aber hier nur soviel: Verblendung ist keine barmherzige Therapie Gottes für Ungläubige, wie sie Chrysostomus gerne sehen würde, sondern eine Strafe! Auch ist Schmerzvermeidung kein göttliches Konzept, weder im pädagogischen noch im ärztlichen Sinne. Und auch das Gebot, die Perlen nicht vor die Schweine zu werfen, gab Jesus aus einem anderen Grund, den Er explizit nannte: „damit sie dieselben nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.“ Jesus geht es also um die Perlen und die Jünger, nicht um die Schweine! Die Perlen sollen nicht zertreten werden von den Schweinen und die Jünger sollen nicht zerrissen werden von den Schweinen. Jesu Sorge um Seine Lehre, Seine Braut, Seinen Ruf, hat Chrysostomus umgedreht in eine Sorge um die armen Schweine. Damit verlässt er die Lehre der Apostel, geht über die Schrift hinaus, und legt einen Grundstein für spätere menschliche Ideologien. Den Rest hat er aber gut verstanden und erklärt. Und mehr noch: Chrysostomus kennt einen weiteren brisanten Ausspruch Christi, der gerne als Einwand vorgebracht wird:

Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht, und was ihr ins Ohr hört, das verkündigt auf den Dächern! (Mt 10,27 SCH2000)

Ist das denn nicht der Befehl Christi, dass wir alles von den Dächern herunter pfeifen sollen, gerade auch das, was Jesus im Verborgenen geredet hatte?! Chrysostomus weiß es besser und belehrt uns gekonnt:

Doch im Folgenden, sagst du, gebot er: „Was ihr mit euren Ohren höret, das predigt auf den Dächern“. Indes steht dies gar nicht im Widerspruch mit dem vorausgehenden [Gebot, das Heilige nicht den Hunden zu geben und die Perlen nicht vor die Schweine zu werfen]. Denn auch hier befiehlt er nicht allen, ohne Unterschied zu reden, sondern er will nur, dass diejenigen, die reden müssen, auch mit Freimut reden.

Mit dem Ausdruck „Hunde“ bezeichnet er aber hier jene, die in vollendeter Gottlosigkeit leben, und die keine Hoffnung mehr auf eine Änderung zum Besseren bieten. Unter den „Schweinen“ dagegen verstand er jene, die ein ganz unzüchtiges Leben führen; sie alle bezeichnet er als unwürdig einer so erhabenen Lehre. Dasselbe hat uns auch der hl. Paulus kundgetan mit den Worten: „Der sinnliche Mensch hört nicht auf das, was des Geistes ist; denn ihm ist dies Torheit“. Auch an anderen Stelle bezeugt er oft, dass ein schlechtes Leben die Ursache sei, weshalb jemand die Lehren der höheren Vollkommenheit nicht annehmen will. Deshalb befiehlt er auch, ihnen die Türen nicht zu öffnen; denn wenn sie einmal eingeweiht sind, so werden sie nur um so verhärteter. Denjenigen, die guten Willen und Einsicht haben, erscheinen die Wahrheiten voll Erhabenheit, wenn sie ihnen geoffenbart werden; den Toren dagegen eher dann, wenn sie ihnen verborgen bleiben. Da ihnen also die Natur das Verständnis für diese Dinge versagt hat, so will der Herr, dass sie ihnen verborgen bleiben, damit sie dieselben, wenn auch nur aus Unwissenheit, in Ehren halten. Auch das Schwein weiß ja nicht, was eine Perle ist; und weil es dies nicht weiß, soll es auch keine zu sehen bekommen, damit es nicht etwa zertrete, was es nicht zu schätzen weiß. Der einzige Erfolg davon wäre doch nur der, dass solche Leute noch größeren Schaden davon hätten, wenn sie mit diesen Dingen bekannt gemacht würden. Denn das Heilige wird von ihnen verunehrt, weil sie nicht verstehen, was es ist; und dann werden solche Menschen nur um so übermütiger und feindseliger gegen uns. Das ist nämlich der Sinn der Worte: „damit die dieselben nicht zertreten und sich dann gegen euch wenden und euch zerreißen“. Doch wendet man ein: Dieses Heilige sollte eben so überzeugungskräftig sein, dass es auch dann widersteht, wenn man es kennen gelernt, und dass es den anderen kein Anlass wird, sich gegen uns zu wenden.

Doch daran ist nicht das Heilige schuld, sondern der Umstand, dass jene Schweine sind; wie ja auch die Perlen nicht deshalb mit Füßen getreten werden, weil sie wertlos sind, sondern weil die unter Schweine fielen. Auch sagt der Herr ganz passend: Sie werden sich gegen euch wenden und euch zerreißen. Sie heucheln nämlich solange guten Willen, bis sie die Geheimnisse erfahren haben; ist dies geschehen, so werfen sie die Maske ab und verspotten uns, verhöhnen und verlachen uns und sagen, sie hätten uns hinters Licht geführt. Aus diesem Grunde schrieb auch der hl. Paulus an Timotheus: „Vor ihm hüte auch du dich; denn er setzte unseren Worten großen Widerstand entgegen“. Ebenso sagt er an einer anderen Stelle: „Von solchen Menschen wende dich ab“, und: „Einen häretischen Menschen meide, nachdem du ihn ein und ein zweites Mal ermahnt hast“. Es sind also nicht die Lehren des Herrn, die jenen die Waffen in die Hand geben, sondern ihre eigene Torheit bringt die dazu und macht, dass sie nur noch kecker werden. Es ist deshalb auch kein geringer Nutzen für sie, wenn man sie in ihrer Unwissenheit belässt; denn so werden sie wenigstens die Lehren nicht verachten. Wenn man sie ihnen dagegen mitteilt, so ist der Schaden ein doppelter. Denn sie selbst haben nicht nur keinen Nutzen davon, sondern sogar größeren Nachteil, und dir werden sie unendlich viel zu schaffen machen.

Das sollen sich jene gesagt sein lassen, die mit allen ohne Unterschied Gemeinschaft pflegen und so das Heilige verächtlich machen. Aus diesem Grunde feiern wir ja die heiligen Geheimnisse bei verschlossenen Türen und weisen die Uneingeweihten zurück, nicht als ob wir glaubten, das, was wir tun, beruhe nicht auf sicherer Grundlage, sondern weil die große Menge noch zu unreif dafür ist. Deshalb hat auch Christus oft in Parabeln zu den Juden gesprochen, weil sie zwar Augen hatten, aber doch nicht sahen. Aus dem gleichen Grunde sagte auch der hl. Paulus, man soll wissen, wie man einem jeden antworten muss.

Johannes Chrysostomus (344-407) In Matthaeum homiliae I-XC Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (BKV), Dreiundzwanzigste Homilie. Kap. VII, V.1-21., 3.

Wie ich bereits erwähnte, war Chrysostomus ein Gratwanderer, genauer gesagt ein Verbinder. Er wollte beide Seiten, die alte apostolische und die neue konstantinische, in Harmonie miteinander bringen. So erklärt er einerseits nicht nur sehr verständig im Sinne der Apostel, wie die Aussprüche und Befehle Christi zusammen passen und zusammen gehören, sondern beschreibt uns andererseits auch seine gemischte Kirchenpraxis. Dort findet der erste Teil des Gottesdienstes bereits öffentlich statt, so wie das Kaiser Konstantin einführte und bis heute üblich ist in den Staatskirchen und den meisten Freikirchen. Aber danach kam die Gemeinschaft und die Feier der „heiligen Geheimnisse“, und die fanden noch (wie bei den Aposteln üblich) hinter verschlossenen Türen statt. Da durfte kein Fremder dabei sein, auch nicht „die Uneingeweihten“, die zurückgewiesen (also vor die Tür gebeten) wurden. Was die BKV mit „Der sinnliche Mensch“ übersetzt, heißt bei Chrysostomus im griech. Original eigentlich „Der Seelische“, wir hatten das bereits im Kapitel über die Seelischen. Und mit den „Uneingeweihten“ meinte er die Katechumenen. Hier schließt sich der Kreis. Sowohl die Häretiker als auch die Seelischen als auch die Katechumenen hat auch noch Chrysostomus mit den Schweinen identifiziert vor die man nach dem Gebot Christi keine Perlen werfen soll. Die Christen unterschieden also nachweislich bis in die Mitte des 4. Jahrhunderts noch zwischen verschiedenen Gruppen und gaben darauf acht, keine Perlen vor die Schweine zu werfen. 

Abgesehen davon lebten die Apostel und frühen Christen in einer Welt, wo noch jedes Buch mit der Hand kopiert wurde. Jedes Exemplar war von Hand geschrieben. Daher überlegte man sich gut, welche Bücher man kopiert und für wen. In erster Linie kopierte man die heiligen Schriften nur für die Heiligen, für die Gemeinden, nicht für Ungläubige oder Unwürdige. Manuskripte waren wertvoll und Mangelware. So landeten die Bücher des Johannes weiter hinten, was auch ihrer Entstehungszeit entspricht - auch da waren sie die letzten, und das war sicherlich kein Zufall. Der Heilige Geist weiß, was Er tut, auch in welcher Reihenfolge Er Bücher inspiriert und in die Welt setzt.

Erst im 15. Jahrhundert änderte sich das schlagartig mit der Erfindung des Buchdrucks. Auf einmal konnte man in kürzester Zeit unfassbar viele Kopien von Büchern drucken. Ein Buch der Bibel wurde besonders beliebt. Es hieß „Die heimlich offenbarung iohannis“ und wurde von dem deutschen Grafiker Albrecht Dürer herausgebracht. Er zeichnete zu beinahe jedem Kapitel der Offenbarung des Johannes eine ausdrucksstarke Illustration. Zu diesem Bilderzyklus, bekannt auch unter dem Namen „Dürers Apokalypse“, wurde der deutsche Text der Offenbarung aus der Koberger Bibel gedruckt. Der Buchdrucker Anton Koberger war der Taufpate von Albrecht Dürer und druckte 1483 eine der besten, vollständigen, gut lesbaren deutschen Bibeln vor Martin Luther. Mit seinem Apokalypse-Büchlein zog nun Dürer durch die deutschsprachigen Lande und verkaufte es auf der Straße. Es fand so reißenden Absatz, dass Dürer nicht nur davon seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, sondern sogar der Vatikan darauf aufmerksam wurde und eine lateinische Version des Büchleins herausbrachte. All das Jahrzehnte bevor Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung begann. In Windeseile konnten Bücher unters Volk gebracht werden, die davor durch wenige Stückzahlen nur einem begrenzten Leserkreis zugänglich waren.

Der nächste Quantensprung war 500 Jahre später die Erfindung des Internets im 20. Jahrhundert. Ab da waren die Bücher noch schneller und billiger zugänglich, nämlich per Knopfdruck auf jedem Computer mit Internetanschluss und seit dem 21. Jahrhundert sogar auf jedem Smartphone. Jeder kann nun eine digitale Bibliothek von Büchern in der Hosentasche bei sich tragen. Was wie ein Segen wirkt, entpuppt sich auch als Gefahr. Denn wer liest noch Bücher im Gesamtzusammenhang und erfasst ihren Sinn, wenn man einzelne Sätze per Suchmaschinen in Millisekunden findet? Und wie verhindert man heute, dass die Perlen den Schweinen vorgeworfen werden?

Kann und soll man dieses Gebot Christi überhaupt noch befolgen? 

Ich meine, ja, auf jeden Fall! Gott macht keine Fehler und Christus gibt uns keine Gebote, die irgendwann nicht mehr befolgt werden können, nur weil die Menschheit „weiter“ wäre. Wir können dem Herrn weder davon laufen noch Ihn veranlassen, Seine Gebote zu überdenken und an unsere Zeit anzupassen. Er ist der Ewige, der Seiende. Er kennt den Ausgang der Menschheit und der Welt noch bevor Er sie erschaffen hat. Er ändert sich auch nicht. Daher ändern sich auch nicht Seine Gebote, Methoden, Prinzipien und Maßstäbe - und schon gar nicht Seine Lehre und Sein Wort. Was sich vielleicht ändert, ist die Bereitschaft der Menschen zum Gehorsam, ihre Rebellion, ihr Eigensinn, ihr Abfall von ihrem Schöpfer und Retter. Das wird immer schlimmer. Und daher wird es eigentlich immer wichtiger, keine Perlen vor die Schweine zu werfen.

Christi Lehrprinzip ist über die Jahrtausende auch nicht reformbedürftig. Immer noch gilt, dass der Schüler vom Lehrer lernen und alles treu bewahren und weitergeben soll. Der hier mehrfach zitierte Hippolytus von Rom hatte beispielsweise eine noch unterbrechungsfreie Überlieferungskette bis zum Apostel Johannes. Das ist nicht nur ein Privileg für ihn, sondern auch ein Auftrag an uns, auf ihn zu hören, anstatt uns hochmütig über ihn zu erheben und uns einzubilden, dass wir besser unterwiesen wären und die Schriften besser verstünden, die er noch im Originalzustand in Händen halten und lesen konnte. Zusätzlich lebte und wirkte er in einer Gemeinde, die von mehreren Aposteln unterwiesen wurde, und konnte dort die richtigen Anwendungen, die Praxis der Apostel noch hautnah erleben. Tertullian betont:

Wir stehen mit den apostolischen Kirchen in Gemeinschaft, was bei keinem einzigen der uns entgegenstehenden Lehrsysteme der Fall ist. Das ist das Zeugnis für die Wahrheit.

Tertullian (160-220)  De praescriptione haereticorum  Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (BKV), 21. Kap.

Ähnliches gilt für alle anderen frühen Christen. Sie lebten uns vor, worauf es ankommt und worauf wir achten müssen. Und sie hatten, wie man in diesem Beitrag hoffentlich gut sehen kann, große Ehrfurcht und Hemmungen, alles aufzuschreiben, denn sie wollten auf keinen Fall Perlen vor die Schweine werfen. Das ist sicherlich auch mit ein Grund, weswegen so wenige Apostel überhaupt etwas schrieben und weswegen wir zu gewissen Themen gar nichts schriftlich haben. Auch das sollte uns zu denken geben und demütig machen.

Wir kommen also nicht darum herum, auch heute noch persönliche Lehrbeziehungen aufzubauen und zu pflegen und uns von den frühen Christen dabei anleiten zu lassen. Die modernen Medien mögen verlockend sein, aber ich nehme erstens immer mehr ihre Gefahr wahr und weiß zweitens, dass sie uns nicht ewig zur Verfügung stehen werden. Die Gefahr ist, dass wir unser Gegenüber, mit dem wir per Telefon, eMail, sozialen Medien oder irgendwelchen Chats kommunizieren, weder sehen noch überhaupt sicher sein können, dass es ein Mensch ist, geschweige denn, welche Motive er oder sie hat und was die Leute ein paar Minuten später aus dem machen, was wir ihnen gesagt haben. Ich bemerke immer mehr Trolle und Chatbots, die sich in sozialen Medien einschleusen in Diskussionen und sie in die eine oder andere Richtung lenken. KI (Künstliche Intelligenz) ist die nächste Gefahr, der wir ausgesetzt sind, die uns manipulieren und hinters Licht führen kann, indem sie uns falsche Informationen liefert, falsch übersetzt, oder falsche Hoffnungen macht indem sie halluziniert.

Wir müssen nicht nur zurück zur ursprünglichen Lehre, sondern auch zum ursprünglichen Lehrsystem, das der Herr Jesus gründete und vorlebte. Alles andere ist letztendlich hochmütiger Ungehorsam gegenüber dem Meister - und wird scheitern. Wenn wir keine Perlen vor die Schweine werfen wollen, müssen wir erstens die Schweine identifizieren können da draußen und zweitens die Perlen. Beides erfordert persönliche Begegnungen und Urteilsvermögen, das aus der richtigen, nämlich überlieferten, Lehre der Apostel kommt.

Und so haben wir in der Gemeinde uns vorgenommen, hier noch gewissenhafter zu werden und bewusster zu prüfen, mit wem wir es zu tun haben, bevor wir etwas preisgeben. Wir werden nicht mehr jedem alle Fragen beantworten - und schon gar nicht öffentlich auf unserer Website im Internet. Wir wollen keine törichten Streitfragen diskutieren und auch keine Perlen vor die Schweine werfen und haben Gott um Vergebung gebeten, wo wir das bisher taten. Wir werden nur noch Menschen betreuen, die wir kennen oder kennenlernen können, weil sie Gemeinschaft mit uns pflegen. Wir werden die Menschen unterschiedlich behandeln, so wie es die Apostel und die frühen Christen uns vorlebten. Ungläubige, Häretiker und Seelische werden von uns nicht dasselbe erfahren wie Katechumenen, und diese wiederum nicht dasselbe wie Brüder und Schwestern in der Gemeinde. Und wir sind uns bewusst, dass die digitalen Medien und Internetanschlüsse uns jederzeit genommen werden können. Daher verlassen wir uns nicht auf sie, sondern werden immer auch analog bleiben und verstärkt auf die vom Herrn vorgegebenen Methoden setzen.

Und nun weiss ich dieses Geheimnis, dass die Sünder das Wort der Wahrheit vielfach ändern und verdrehen werden, und dass sie schlimme Reden führen, lügen und grosse Betrügereien erfinden werden und dass sie Bücher über ihre Reden schreiben werden.

Wenn sie aber alle Reden richtig niederschreiben in ihren Sprachen und nichts ändern und kürzen an meinen Reden, sondern alles richtig niederschreiben, alles, was ich zuvor über sie bezeugt habe: so weiss ich ein anderes Geheimnis, dass nämlich den Gerechten und Weisen die Bücher werden gegeben werden zur Freude, zur Rechtschaffenheit und zu vielfältiger Weisheit. Und ihnen werden die Bücher gegeben werden, und sie werden daran glauben und sich darüber freuen, und alle Gerechten, die aus ihnen alle Pfade der Rechtschaffenheit kennen lernten, werden ihren Lohn empfangen.

Das Buch Henoch, Teil V, 104,10-13