Jeder Mensch kommt als Säugling auf die Welt und bekommt in den ersten Monaten ausschließlich Milch zu trinken. Das ist so von Gott eingerichtet worden und setzen alle Autoren der heiligen Schrift als gut voraus. Moderne Meinungen aber können nachhaltig die Schriftauslegung und Gesundheit des Gemeindelebens gefährden.
Bekommt ein Säugling keine Milch, wird er krank und stirbt. Das war die einheitliche Menschheitserfahrung aller zivilisierten und unzivilisierten Völker über Jahrtausende. Milch war der Inbegriff für die erste, wichtigste und einzig gesunde Nahrung für jeden neugeborenen Menschen bei allen Völkern zur Zeit des alten und neuen Testaments – und noch viele Jahrhunderte darüber hinaus.
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann man, das langsam anders zu sehen. Als ich geboren wurde, wurde meiner Mutter von Ärzten und Krankenschwestern gesagt, sie solle mir nicht ihre Muttermilch geben, sondern mich stattdessen mit künstlich hergestellter Babymilch und Babynahrung aus dem Glas füttern. Muttermilch galt in den Augen der Experten damals als nicht bekömmlich, Bauchschmerzen verursachend und zu arm an Nährstoffen. Das war die neueste wissenschaftliche Erkenntnis und die Industrie hatte dafür die passende Lösung. Weil meine Mutter damals an die Wissenschaft und ihre neuesten Erkenntnisse glaubte, befolgte sie brav die Anweisung. Ich war in Folge häufig krank und verbrachte einen beachtlichen Teil meiner Kindheit in Krankenhäusern. Heute ist die Wissenschaft weiter. Sie weiß inzwischen zwar, dass in der Muttermilch wichtige Stoffe enthalten sind, die das Immunsystem aufbauen, aber das sei nicht ausreichend. Es werden Nahrungsergänzungen empfohlen und ein Arsenal an Impfungen bereits für Babys. Die Lebensmittelindustrie schläft genauso wenig wie die Pharmaindustrie. Alle haben ihre Produkte und alles läuft am Ende darauf hinaus, dass die Natur – oder sagen wir es noch deutlicher: Gottes Weisheit und Schöpferqualität – angezweifelt wird oder zumindest verbesserungswürdig erscheint. Eine der Konsequenzen ist, dass wir die Heilige Schrift nicht mehr verstehen, wenn wir ein anderes Verständnis von „Milch“ haben als sie. Und das kann zu fatalen Irrtümern führen. Zum Beispiel wenn wir Paulus lesen, wie er den Korinthern schrieb:
Milch habe ich euch zu trinken gegeben, nicht feste Speise; denn die konntet ihr noch nicht vertragen. Ja, ihr könnt sie auch jetzt noch nicht vertragen.
1. Kor 3,2
Paulus spricht hier nicht von Milchunverträglichkeit. Wie eingangs erwähnt, war „Milch“ der Inbegriff für die erste, wichtigste und einzig gesunde Nahrung für jeden neugeborenen Menschen. Das war absolut unumstritten und verstand jeder zur Zeit der Apostel. Paulus konnte aber auch noch etwas anderes voraussetzen: Dass nämlich damals jeder Mensch „Milch“ und „Speise“ auch als Metapher verstand. Viele klassische und antike Werke verwenden Essen und Trinken im übertragenen Sinne für das Nachdenken und geistige Verarbeiten von Lehrstoff. Es ist die Rede davon, dass Bücher „gegessen“ oder gar „verschlungen“ werden. Oder dass ein Kompliment „runter ging wie Öl“ oder „süß war wie Honig“. Oder dass eine Rede, die nicht gefiel, eine „harte Kost“ war oder „schwer verdaulich“. Es ist wichtig, dass wir diese Wortbilder richtig verstehen, wenn wir die Heilige Schrift verstehen wollen, denn sie ist voll von solchen und anderen Metaphern. Zum Beispiel sprach Jesus Christus vom „Sauerteig“ der Pharisäer und meinte damit die Lehre der Pharisäer (Mt 16,11f). Oder eben hier im 1.Korintherbrief spricht Paulus bewusst von „Milch“. Lasst uns seine Aussage Schritt für Schritt aufschließen: