• Ist Milch wichtig oder unwichtig, gesund oder ungesund?

Wie reagiert Paulus auf das lange Verharren der Korinther im Babystadium?

Heute würden viele moderne Lehrer und Eltern zuerst die Schuld bei sich selbst suchen und denken, sie hätten etwas falsch gemacht, wenn ihre Babys auch nach 3-4 Jahren noch Säuglinge wären und immer noch Milch bräuchten. Sie würden die Milch hinterfragen, oder die Dosis, die Fütterungszeiten, vielleicht sogar ihre Kompetenz. Aber wie ich schon sagte, zeigt Paulus nicht die Spur von Reue oder Selbstzweifel. Er weiß was er tut, er hat die richtige Milch gegeben und das in richtiger Weise und auch noch länger als normal notwendig. Aber diese Korinther sind ein spezieller, schwieriger Fall.

Was ist nun seine Lösung dafür?

Zurück an den Start! Wenn sie immer noch nur Milch vertragen, dann bekommen sie erneut die Milch! Weil aber Paulus den Korinthern diesmal die Milch nicht persönlich und daher nicht mündlich verabreichen kann, hat er sich folgenden Plan zurechtgelegt:

Erstens gibt er ihnen diesmal die Milch in schriftlicher Form. Der erste Korintherbrief beinhaltet die Milch, die sie bereits erhalten hatten als Paulus bei ihnen war, aber die sie noch einmal brauchen. Für die Korinther mag das zwar beschämend sein, aber für uns heute ist es ein ausgesprochenes Glück, weil wir hier erstmals und auf einzigartige Weise die „Milch“ der Lehre der Apostel für geistliche Babys schriftlich überliefert bekommen.

Zweitens schickt Paulus den Korinthern seinen besten Schüler Timotheus, der ihnen den Brief genau erklären und sie bei der Umsetzung praktisch anleiten soll:

Deswegen schickte ich Timotheus zu euch, der mein geliebtes und treues Kind im Herrn ist, der euch erinnern wird an meine Wege, die in Christus sind, so wie ich überall in jeder Gemeinde lehre. 

1. Kor 4,17

Timotheus ist – um in dem Bild zu bleiben – quasi die Amme, die den Säuglingen in Korinth die Milch einflößt und aufpasst, dass nichts davon verschüttet wird. Wir bekommen in dem Satz auch bestätigt, dass es dieselbe Milch ist, die Paulus „überall in jeder Gemeinde“ gibt. Es fällt ihm nicht im Traum ein, die Milch zu verdünnen oder durch etwas anderes zu ersetzen extra für die Babys in Korinth. Paulus soll wie in allen Gemeinden auch hier das Vorbild sein, ihn sollen sie nachahmen.

Ich rufe euch also auf: Werdet meine Nachahmer!

1. Kor 4,16

Drittens will er später persönlich kommen und sich davon überzeugen, ob sie die Milch diesmal angenommen haben oder nicht.

Und er will mit den „Aufgeblähten“ abrechnen. Das sind jene Babys, die glauben, alles besser zu wissen als ihre Eltern – in diesem Fall besser als Paulus und seine Mitarbeiter. Sie wollen die gesunde Milch nicht in der Weise zu sich nehmen, wie sie ihnen verabreicht wird, sondern selbst über Zeit, Menge und Inhalt entscheiden. Das Ergebnis ist nicht Wachstum, sondern Aufgeblähtheit: Sie sind voll mit selbstgewählten Worten und Meinungen, aber leer von der lebensverändernden Kraft des Evangeliums:

Ich werde aber bald zu euch kommen, wenn der Herr will, und werde erfahren nicht das Wort der Aufgeblähten, sondern die Kraft; denn das Königreich Gottes besteht nicht in Wort, sondern in Kraft. Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder in Liebe und im Geist der Sanftmut?

1. Kor 4,19-21

Diese bedrohliche Wahl, vor die der Apostel die Korinther stellt, ist ungewöhnlich scharf, aber den Umständen entsprechend zweckmäßig. Paulus sieht die Korinther in dringendster Bringschuld. Sie müssen endlich rauskommen aus dem Milchalter. Er sorgt erneut für die reine, unverfälschte Milch, diesmal ausnahmsweise in schriftlicher Form – eine ungewöhnliche Maßnahme für einen ungewöhnlichen Fall – und für eine bewährte, bestens ausgebildete und fähige Amme namens Timotheus. Timotheus sollte den Korinthern nur diese Milch, nur das, was in diesem Brief steht, verabreichen und ihnen aufschließen. Alles, was darüber hinaus geht – also die feste Speise – will Paulus ihnen persönlich geben, wenn er kommt:

Das Übrige will ich anordnen, sobald ich komme.

1. Kor 11,34

Nun sind die Korinther am Zug. Was haben sie daraus gemacht?