Danach bis heute
Die Korinther hatten die Lektion also gelernt. Es war aber nicht die Milch nur für sie bestimmt. Alle damaligen Gemeinden, die von Aposteln gegründet waren, bekamen diese Milch. Und so braucht es uns nicht zu wundern, dass der erste Korintherbrief im frühen Christentum der meist zitierte Paulusbrief wurde. Der 1.Korintherbrief ist sogar nach dem Matthäusevangelium und dem Lukasevangelium das drittmeist zitierte Buch des NT in den ersten drei Jahrhunderten! Daran kann man ermessen, für wie wichtig und grundlegend die frühen Christen ihn hielten. Das lag gewiss daran, dass diese apostolische „Milch“ von den Schülern der Apostel und deren Schülern treu und unverfälscht weitergereicht wurde.
Selbstverständlich ist diese historische Reihenfolge der drei meistzitierten Bücher kein Zufall. Sie verrät, was der Heilige Geist für das Überleben und Gedeihen der frühen Kirche als essentiell erachtete: Zuerst die Person und Predigt Jesu Christi (vermittelt durch die Evangelien von Matthäus und Lukas) und unmittelbar darauf die konkrete Anleitung, wie eine Gemeinde im Alltag des Glaubens zu leben hat (geliefert durch den 1. Korintherbrief). Während spätere Traditionen andere Schriften für theologische Systematik oder mystische Vertiefung in den Vordergrund rückten, zeigt die tatsächliche, historische, frühchristliche Praxis: Für die ersten Christen war der 1. Korintherbrief das unverzichtbare Grundlagenhandbuch des Gemeindelebens – die „Milch“, ohne die keine Gemeinde gesund aufwachsen und zur Reife gelangen kann.
Doch es geschah im geistlichen Bereich genauso wie im weltlichen: Mit der Zeit betraten Experten die Bühne, die behaupteten, dass die Milch nicht ausreichend sei für Babys. Und so fügten sie allerhand Nahrungsergänzungsmittel in Form von neuen Lehrsätzen hinzu. Andere erfanden geistliche Impfungen in Form von griffigen Slogans, die schneller unter die Haut gehen. Und wieder andere meinten, dass die Milch der Apostel im Korintherbrief viel zu dick und zu schwer zu verdauen sei. Man müsse sie verdünnen. Und so ließen sie die „unwichtigen“ Stellen weg, um ihren Babys diese zu ersparen. Doch der Heilige Geist hat all dies selbstverständlich im Voraus gewusst. Und so ließ Er Paulus prophetisch an „die Amme“ Timotheus schreiben:
Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Lüsten mit juckenden Ohren sich selbst Lehrer anhäufen werden, und sie werden das Ohr von der Wahrheit abwenden und zu den Fabeleien hingewendet werden. Aber DU, sei du stets nüchtern in allen Dingen. Erleide das Üble. Tue das Werk eines Evangelisten. Richte deinen Dienst in vollem Maße aus.
2. Tim 4,3-5
Wenn die Zeit kommt, wo die Menschen die gesunde Lehre nicht ertragen, was sollen die Evangelisten dann machen? Die Lehre verdünnen? Sie verträglicher machen? Die Milch den empfindlichen Menschen anpassen? Das sei ferne! Die Aufgabe des Evangelisten ist nicht, die Milch zu verändern, sondern sie zu bewahren, unter allen Umständen und Widrigkeiten. Nur dann füllt er sein Werk in vollem Maße aus.