• Versagt die biblische Weisheit?

Wenn man an die großen Weisheitssprüche der Geschichte denkt, wird selten die Bibel zitiert, obwohl sie behauptet, den weisesten aller Menschen zu ihren Autoren zu zählen. Doch viele seiner Sprüche gelten als nicht hilfreich oder gar töricht. Woran liegt das?

Von König Salomo wird im Alten Testament gesagt:

Und Gott gab Salomo Weisheit und sehr viel Verstand und Weite des Herzens, wie der Sand, der am Meeresufer liegt. Und die Weisheit Salomos war größer als die Weisheit aller Söhne des Ostens und als alle Weisheit der Ägypter. Ja, er war weiser als alle Menschen, auch weiser als Etan, der Esrachiter, und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Machols; und er wurde berühmt unter allen Völkern ringsum. Und er redete 3 000 Sprüche; und die Zahl seiner Lieder war 1 005. (1.Kön 5,9-12 SCH2000)

Von einem Mann, der von Gott persönlich sehr viel Verstand und Weisheit geschenkt bekam und der 3000 Weisheitssprüche redete, sollte man doch einiges erwarten können, oder? Leider enthält das Buch der Sprüche Salomos, auch „Sprichwörter“ genannt, jedoch viele Sprüche, die sich bei genauerer Betrachtung als wenig hilfreich oder sogar falsch erweisen. So zum Beispiel dieser:

Gnade und Wahrheit werden dich nicht verlassen! Binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Gunst und Wohlgefallen erlangen in den Augen Gottes und der Menschen. (Spr 3,3-4 SCH2000)

Wenn mich Gnade und Wahrheit ohnehin nicht verlassen werden, wozu soll ich sie dann um den Hals binden?

Und wie binde ich die konkret um den Hals und schreibe sie auf die Tafel meines Herzens?

Und dann die Verheißung, dass ich „Gunst und Wohlgefallen“ erlangen werde bei Gott und den Menschen - wann trifft die ein? Im realen Leben jedenfalls nicht. Eher bewahrheiten sich chinesische Lebensweisheiten wie „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“. Denn mit Wahrheit erlangt man bei den Menschen kaum Gunst und Wohlgefallen. Menschen, die die Wahrheit aufdecken und laut sagen, werden gehasst, zum Schweigen gebracht und bedroht. Sie brauchen dann das sprichwörtliche schnelle Pferd um mit dem Leben davon zu kommen. Das beweist die Menschheitsgeschichte eindrücklich. Jeder Spruch aus einem Glückskeks erscheint wahrer und weiser als dieser hier aus der Bibel.

Vielleicht liegt es ja an der Übersetzung? Haben vielleicht die Übersetzer der Schlachter 2000 die Weisheit Salomos in Torheit verdreht? Konsultieren wir zum Vergleich andere renommierte Bibelübersetzungen.

Lutherbibel 1545:

Gnade und Treue werden dich nicht lassen. Hänge sie an deinen Hals und schreibe sie in die Tafel deines Herzens, so wirst du Gunst und Klugheit finden, die GOtt und Menschen gefällt.

Elberfelder 1905:

Güte und Wahrheit mögen dich nicht verlassen; binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens; so wirst du Gunst finden und gute Einsicht in den Augen Gottes und der Menschen.

Einheitsübersetzung 1980:

Nie sollen Liebe und Treue dich verlassen; / binde sie dir um den Hals, / schreib sie auf die Tafel deines Herzens! Dann erlangst du Gunst und Beifall / bei Gott und den Menschen.

Neue evangelistische Übersetzung 2022:

Nie sollen dich Liebe und Treue verlassen, / binde sie um deinen Hals und schließe sie in dein Herz! So findest du Gunst und Anerkennung / bei Gott und den Menschen.

Wird der Spruch klarer in anderen Bibeln? Nicht wirklich. Stattdessen wird die Ratlosigkeit der Übersetzer klar. Sie haben offenbar keine Ahnung, um welche Begriffe es überhaupt geht, und scheinen nur zu raten. Soll das erste Wort nun Gnade, Güte oder Liebe heißen? Und was meinte Salomo beim zweiten Wort? Wahrheit oder Treue? Das sind doch alles keine synonymen Begriffe! Worum geht es denn nun? Die Übersetzer scheinen ratlos zu sein.

Einigkeit gibt es nur beim „Hals“ und der „Tafel des Herzens“. Aber was ich dort anbinden bzw, einschreiben soll, darüber sagen mir verschiedene Bibeln verschiedenes. Sie dürfen gerne auch in Ihrer Lieblingsbibel nachschlagen.

Auch in Sachen Verheißung herrscht etwas Verwirrung, denn „Gunst“, „Klugheit“, „Beifall“ und „Anerkennung“ sind auch nicht einfach austauschbare Begriffe. Was bekomme ich nun? Und was soll ich tun - und wie?

Hält dieser Spruch einem Faktencheck stand? Sehen wir uns etwa Jesus und Seine Apostel an. Ich denke, wir können unumwunden zugeben, dass sie von all diesen Dingen wie Liebe, Treue, Güte und Gnade nicht verlassen wurden - und dennoch erfuhren sie nicht viel Gunst, Beifall und Anerkennung vor den Menschen. Im Gegenteil, sie alle wurden abgelehnt, verfolgt und hingerichtet. Der Spruch ist also nicht nur rätselhaft, sondern wird von der Realität widerlegt.

Glücklicherweise gibt es eine Parallelstelle. Vielleicht bringt die Licht ins Dunkel? Schlagen wir Sprüche 14,22 in denselben Bibeln auf:

SCH2000:

Werden nicht irregehen, die nach Bösem trachten? Aber Gnade und Wahrheit wird denen zuteil, die nach Gutem trachten!

LUT1545:

Die mit bösen Ränken umgehen, werden fehlen; die aber Gutes denken, denen wird Treue und Güte widerfahren.

ELB1905:

Werden nicht irregehen, die Böses schmieden, aber Güte und Wahrheit finden, die Gutes schmieden?

EÜ 1980:

Gewiss geht in die Irre, wer Böses plant; / Liebe und Treue erlangt, wer Gutes plant.

NeÜ2022:

Wer Böses plant, wird in die Irre gehen, / doch dem, der gute Absichten hat, wird Liebe und Vertrauen geschenkt.

Dieser Spruch ist tatsächlich deutlich greifbarer und erscheint auf dem ersten Blick logischer und verständlicher. Aber die Ähnlichkeit zur ersten Stelle ist frappant: Wieder bekommt man etwas versprochen, wieder sind es zwei Dinge, die durchaus ähnlich klingen. Und wieder herrscht aber Uneinigkeit unter den Übersetzern. Was bekommt nun derjenige, der Gutes plant bzw. schmiedet? „Liebe und Treue“ oder „Liebe und Vertrauen“ oder „Güte und Wahrheit“ oder „Treue und Güte“? Erneut scheinen die Übersetzer zu raten anstatt zu wissen! Selbst wenn wir in einem Anfall von leichtsinniger Großzügigkeit alle diese Begriffe gleichzeitig auf die Karte setzen wollen, so macht uns der Faktencheck auch hier einen tiefsinnigen, dicken Strich durch die Rechnung: Jesus hatte zweifelsfrei nur gute Absichten, Er hat Gutes geplant - und was hat Er dafür erlangt? Statt Liebe, Vertrauen, Treue und Güte erfuhr Er Hass, Verrat, Misstrauen und Brutalität. Er wurde beschimpft, angespuckt, geschlagen, gegeißelt und gekreuzigt. Die römische Kreuzigung galt als so grausam und entwürdigend, dass sie gar nicht an Römern durchgeführt wurde, sondern zur Abschreckung an besiegten Feinden Roms, an Barbaren.

Hat Jesus Christus damit diese Sprüche Salomos als Torheit oder gar Lüge widerlegt?

Nein, ganz im Gegenteil, Jesus hat diese Sprüche in Wahrheit bestätigt! Er schmetterte sie sogar den Schriftgelehrten und Pharisäern entgegen:

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, aber das Wichtigste im Gesetz schiebt ihr beiseite: die Gerechtigkeit, das Erbarmen und die Treue. Dies aber sollte man tun und jenes nicht lassen. (Mt 23,23 HRD)

Die fett markierten Worte formulierte Jesus Christus laut Matthäus auf Griechisch: τὸν ἔλεον καὶ τὴν πίστιν (ton eleon kai tēn pistin). Und das heißt auf Deutsch wörtlich: „das Erbarmen und die Treue″. Griechisch eleos ist das Erbarmen (Mitgefühl) und die Barmherzigkeit (Taten) und in weiterer Folge das Almosen. Also ein breiter Begriff, den man auf Deutsch schwer in einem Wort ausdrücken kann. Noch schwieriger wird es beim zweiten Begriff, den Jesus verwendete: pistis bedeutet Treue, Loyalität, Verlässlichkeit, Vertrauen und Glaube. Es ist einer der wichtigsten Begriffe der Schrift, der heute aber meist falsch verstanden wird (dazu komme ich noch in einem eigenen Beitrag). Diese Wendung „Barmherzigkeit und Treue″ oder „Erbarmen und Treue″ ist auf Griechisch aber aufschlussreich, denn sie steht nur in der Septuaginta (LXX) in Sprüche 14,22! Jesus hat damit für uns zwei Fliegen auf einen Schlag geschlagen. Erstens hat Er Sprüche 14,22 präzise bestätigt und zweitens nach dem Wortlaut der LXX! Hier der besagte Vers nach der Septuaginta Deutsch:

Verirrte planen Böses, Erbarmen und Wahrheit aber planen Gute. Die Böses planen, kennen Erbarmen und Treue nicht, aber Taten der Barmherzigkeit und Treue sind bei denen, die Gutes planen. (Spr 14,22 LXXD)

Über diesen Vers lässt sich sehr viel sagen, aber ich versuche mich kurz zu halten. Er macht in der griechischen Septuaginta nicht nur mehr Sinn als im hebräischen Masoretentext (darauf komme ich gleich noch), den die oben zitierten Bibeln verwenden, sondern eröffnet uns auch komplexe Zusammenhänge und die Schärfe von Jesu Rede gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Denn in diesem Vers kommt die Phrase gleich zweimal vor. Zunächst im Singular, genauso wie Jesus sie den Schriftgelehrten und Pharisäern entgegen hielt. Salomo nützte den Ausdruck im Singular aber für die, die Böses planen! Die Schriftgelehrten kannten natürlich die Stelle aus den Sprüchen Salomos und erkannten, dass Jesus diese prägnante Wendung gegen sie richtete. Dann kommt die Phrase ein zweites Mal im Plural vor - für jene, die Gutes planen. Auf Deutsch ist das schwierig zu übersetzen, weil es keinen Plural für Treue und Erbarmen (oder auch Barmherzigkeit) gibt. Im Griechischen drückt der Plural etwas spezielles aus, nämlich Taten, Handlungen des Erbarmens (oder der Barmherzigkeit) und der Treue. Genau dieses Tun betont Jesus ja! Die Guten kennen nicht nur Erbarmen und Treue als theoretische Prinzipien, sondern sie leben sie in der Praxis durch entsprechende Taten! Und das forderte nicht nur Jesus, sondern bereits Salomo in seinen Weisheitssprüchen. Das bringt uns zurück zu Sprüche 3,3, aber diesmal in der LXX - denn dort erscheint exakt diese Paarung von eleos (Erbarmen) und pistis (Treue) genauso im tätigen Plural! Die Parallele ist auf Griechisch unübersehbar. Hier der Vers in der Septuaginta Deutsch:

Erbarmungen und Treuebeweise sollen dich nicht verlassen, hänge sie an deinen Nacken, und du wirst Gnade finden; und achte auf Gutes vor dem Herrn und den Menschen. (Spr 3,3 LXXD)

Vergleichen wir mal diesen Satz aus der griechischen Septuaginta mit jenen Versionen der oben zitierten Bibeln, die den hebräischen Masoretentext verwenden. Der Unterschied ist enorm! Auf einmal macht der Satz nicht nur Sinn, sondern er ist plötzlich eine logische, hilfreiche Anweisung.

Anstelle von abstrakten Begriffen, die beliebig übersetzbar sind, treten nun klare Handlungsanweisungen. Während der hebräische Text der Masoreten aus dem Mittelalter offenbar jede Menge Varianten erlaubt („Gnade und Wahrheit“, „Güte und Wahrheit“, „Gnade und Treue“, „Liebe und Treue“), die jede für sich etwas anderes bedeutet, haben die hebräischen Gelehrten, die den hebräischen Originaltext ins Griechische übersetzten, durch ihre Septuaginta die einzig richtige Wendung schon Jahrhunderte vor Christus überliefert: „Erbarmen/Barmherzigkeit und Treue“. Und genau diese Paarung, sagte Jesus, wäre Gesetz - in Kombination mit der Gerechtigkeit! Gott hat gesprochen.

Statt dem Hals, der in der Antike die Stelle für den Schmuck und damit Sitz des Stolzes war, tritt nun der Nacken, der Sitz der Unterordnung, des Gehorsams, der Demut. „Taten der Barmherzigkeit und Treue″ bzw. „Beweise des Erbarmens und der Treue″ soll ich mir an den Nacken hängen - sprich ich soll diese Beweise demütig und gehorsam für meinen Herren bringen, ständig, fortlaufend (das drückt die Grammatik im Griechischen aus), dann werde ich Gnade finden - aber nicht vor den Menschen, sondern vor meinem Herrn (auch das steckt elegant in der Griechischen Grammatik in dem Satz)! Und ich soll „auf Gutes achten vor dem Herrn und den Menschen″. Keine utopische, naive Verheißung am Schluss, die ohnehin nie eintritt und vielmehr durch Jesus und Seine Apostel widerlegt wurde, sondern eine Anweisung, die Jesus und Seine Apostel predigten und täglich vorlebten.

Hier stimmt alles von Salomo bis Jesus zusammen. Vom Alten bis zum Neuen Testament. Und Salomo wusste diese Wendung noch einige andere Male in seinen Weisheitssprüchen zu verwerten (etwa in Sprüche 15,27 [16,6] und 20,14). Das ist das Wort Gottes in Harmonie und Weisheit - aber wir finden es nur in der Septuaginta. Die hielt Jesus in Händen und zitierte sie. Das war kein Zufall, sondern Teil der Weisheit Gottes. Die steckte nachweislich in Salomo und den hebräischen Gelehrten, die die Septuaginta anfertigten. Aber wir finden sie leider nicht bei den Pharisäern und ihren Nachfolgern, den Masoreten.

Jesus wurde von Seinen Jüngern aber nicht nur mit der Weisheit identifiziert, sondern auch mit der Wahrheit.

Er selbst behauptete:

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. (Joh 14,6)

Und vor Pilatus bekannte Jesus offen:

Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. (Joh 18,37)

Jesus ist also als Zeuge der Wahrheit geboren worden. Dazu ist Er in die Welt gekommen! Schwergewichtige und wegweisende Worte des Herrn! Und genau das machte Er auch gegenüber den Schriftgelehrten und Pharisäern als Er sie beschuldigte, dass sie das Wichtigste im Gesetz beiseite schieben:

das Wichtigste im Gesetz schiebt ihr beiseite: die Gerechtigkeit, das Erbarmen und die Treue (Mt 23,23). 

Die Schriftgelehrten und Pharisäer wehrten sich aber nicht mit Worten wie: „He, was hast du da für eine tendenziöse Übersetzung?″ oder „Von Gerechtigkeit spricht das Gesetz, aber nicht von Erbarmen und Treue!″. Nein, das taten sie natürlich nicht, denn sie kannten das Gesetz wenigstens so gut, dass sie wussten, dass Jesus es korrekt zitierte. Heute kann man leider nicht mal mehr das voraussetzten. Heute finden die Schriftgelehrten „Erbarmen und Treue″ nicht mehr in ihren Schriften - und das beweist, dass ihre Schriften falsch sind, oder besser gesagt gefälscht.

Zur Zeit Jesu wussten die Schriftgelehrten und Pharisäer aber noch, dass die griechischen Worte eleos und pistis (Erbarmen/Barmherzigkeit und Treue) aus der Septuaginta die präzise Übersetzung des hebräischen Originaltextes sind und dem Buch der Sprüche Salomos entnommen sind, wo sie allein schon in Sprüche 3,3 zweimal wörtlich vorkommen (und weitere Male an Stellen wie 14,22 und 16,6 und 20,14). Wie viel Zeugen braucht es laut dem Gesetz?

auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen soll jede Sache beruhen. (5. Mo 19,15; Mt 18,16)

Die Wahrheit ist nach göttlichen Kriterien damals ausreichend vom Sohn Gottes bezeugt worden. 

Wie ist es heute? Kommen Erbarmen und Treue (oder Barmherzigkeit und Treue) im heutigen hebräischen Text, dem sogenannten Masoretentext, an den besagten Stellen vor? Einmal? Zweimal? Dreimal? An keiner einzigen der drei Stellen steht im Masoretentext die Kombination Erbarmen (oder Barmherzigkeit) und Treue! Wir haben das eingangs bei Sprüche 3,3 in den wichtigsten Bibeln gesehen. Sie schreiben:

  • Gnade und Wahrheit (Schlachter)
  • Gnade und Treue (Luther, Neues Leben)
  • Güte und Wahrheit (Elberfelder)
  • Liebe und Treue (Einheitsübersetzung, Neue evangelistische Übersetzung, Gute Nachricht, Herder, MENGE, Zürcher)
  • Güte und Treue (Hoffnung für alle)

Viele heutige Bibeln haben nicht mal eines der beiden erforderlichen Worte „Erbarmen“ oder „Treue“. Doch keine Bibel hat die Wendung „Erbarmen und Treue“ oder „Barmherzigkeit und Treue“! Somit ist klar, dass der herbräische Masoretentext zwar mehrere verschiedene Übersetzungsvarianten zulässt, aber nie die eine wahre Wendung, die Jesus zitiert und bezeugt hat. Zufall? Der Masoretentext führt nie zu den Worten der Septuaginta. Hingegen ist der Wortlaut der LXX an allen drei Parallelstellen übereinstimmend mit Jesu Wendung aus Mt 23,23:

Spr 3,3 in der LXXD:

Erbarmungen und Treuebeweise sollen dich nicht verlassen, hänge sie an deinen Nacken, und du wirst Gnade finden; und achte auf Gutes vor dem Herrn und den Menschen.

Spr 14,22 in der LXXD:

Verirrte planen Böses, Erbarmen und Wahrheit aber planen Gute. Die Böses planen, kennen Erbarmen und Treue nicht, aber Taten der Barmherzigkeit und Treue sind bei denen, die Gutes planen.

Spr 15,27 (entspricht 16,6 nach Zählung der Masoreten) in der LXXD:

Durch Taten der Barmherzigkeit und der Treue werden Sünden abgewaschen, durch die Furcht des Herrn aber meidet jeder das Böse.

Damit ist bewiesen, dass die Septuaginta gar nicht die Übersetzung des Masoretentextes ist, wie heute aber viele glauben. Das ist somit ein Irrglaube. Die LXX übersetzt, wie man sieht, einen ganz anderen hebräischen Text: Den ursprünglichen, von Gott inspirierten und von Gottes Sohn bestätigten.

Auch kannten die Übersetzer der Septuaginta noch gar nicht Jesus und Seine Worte, die Er predigen würde. Sie konnten daher ihre Übersetzung auch gar nicht an Jesus anpassen. Es ist also auch ein Irrtum, dass die Septuaginta an Jesus Christus und die christliche Lehre angepasst wurde. Umgekehrt kannten die Masoreten sowohl die Septuaginta als auch Jesus und Seine Reden im Neuen Testament. Sie hatten eine Abneigung dagegen und die Gelegenheit, ihren Text so zu konstruieren, dass darin Jesu Worte und Lehre möglichst unsichtbar wurden.

Noch bevor diese Irrtümer, Irrwege und Pläne nach Christi Tod überhaupt aufkamen, hat sie Jesus im Voraus durch Seine Stimme entlarvt, damals vor den Schriftgelehrten und Pharisäern. Wer hört auf Jesu Stimme?

Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. (Joh 18,37)

Und somit hat sich die Weisheit und prophetische Gabe von König Salomo bis heute erfüllt, wenn er sein Buch der Sprüche wie folgt beginnt (nach der LXXD):

1 Sprüche Salomons, des Sohnes Davids, der König war in Israel,

2 um Weisheit und Erziehung zu erkennen, Worte der Klugheit zu verstehen,

2 Wendungen von Worten anzunehmen, wahre Gerechtigkeit zu verstehen und Urteil gerade zu richten.