Das Datum
Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass der Herr dem Mose zwar ein Datum nannte, aber ein anderes als wir heute üblicherweise hören. Genau genommen erlässt Gott mit dem Pascha sogar eine neue Zeitrechnung:
Dieser Monat ist für euch der Anfang der Monate, der erste ist er für euch unter den Monaten des Jahres. (Ex 12,2)
Mit dem Monat, in dem das erste Pascha stattfand, soll also fortan das Jahr beginnen. Das ist der Kalender, den Gott mit dem Auszug aus Ägypten festlegte. Hielten sich die Israeliten daran? Nahmen sie sofort Bleistift und Papier zur Hand und zählten ab sofort brav die Tage und Monate und stellten so ihren Kalender für alle Ewigkeit sicher? Man darf es bezweifeln.
Aber eines wissen wir gewiss: Mose nannte nicht den Monatsnamen „Nisan“, der heute von den Juden genannt wird. Die Juden lernten diesen Namen erst viele Jahrhunderte später in der babylonischen Gefangenschaft kennen und brachten ihn bei ihrer Rückkehr aus Babylon mit. Deswegen steht der Name „Nisan“ nur in zwei Büchern des Alten Testaments geschrieben, nämlich in Esther und Esra/Nehemia, die im Exil oder danach verfasst wurden. Seither beginnt der hebräische Kalender mit dem Monat Nisan.
Aber wie verlässlich ist der hebräische Kalender über die Jahrtausende gepflegt und erhalten geblieben und wie passt er mit unserem heutigen Kalender zusammen?
Leider zogen im Laufe der Jahrtausende schon viele verschiedene Kalender durch die Länder und sorgten für Verwirrung und Unordnung, damals wie heute. Erst recht trifft das auf unsere Kalenderkultur zu. Zuerst einmal besteht das Problem, dass unser modernes Jahr mit dem Jänner bzw. Januar beginnt. Das war weder zur Zeit Christi der Fall noch zur Zeit Moses. Zur Zeit Christi war Rom die Leitkultur. Der erste Monat im Jahr war damals bei den Römern der März. Das war der Frühlingsbeginn und passte auch besser zum Jahresbeginn, den Gott dem Mose ansagte. Unser Kalender ist dem gegenüber um zwei Monate verschoben. Das erkennt man noch an den alten Monatsnamen, die aber bei uns mittlerweile an der falschen Stelle stehen: September (von lateinisch Sieben), Oktober (lateinisch Acht), November (lateinisch Neun), Dezember (lateinisch Zehn). In der Römerzeit standen die Monate noch an den Stellen, die mit ihren Namen bezeichnet wurden. Der erste Monat war der März, der zehnte der Dezember, und der letzte im Jahr der Februar(ius).
Aber das ist noch nicht alles. Wir haben heute auch völlig andere Monatslängen! Im Altertum und der Antike zählten die Menschen die Monate nach der Beobachtung der Natur, konkret des Mondes. Vom Mondaufgang (erste Sichel nach dem Neumond) bis zum Monduntergang (Neumond) dauerte ein Monat. Jeder Monat war also gleich lang. Das war bei den Hebräern genauso der Fall wie bei den Babyloniern und Persern. Erst die Römer brachen damit und erstellten einen lunisolaren Kalender, wo Mond und Sonne vermischt werden. Julius Caesar führte 45 v. Chr. den Julianischen Kalender mit genau den unterschiedlichen, einander abwechselnden Monatslängen ein, die wir heute kennen. Damit wich er nicht nur von dem Gott gegebenen natürlichen Rhythmus des Mondes ab, sondern auch von dem System vieler alten, unterworfenen Völker. Dazu gehörten auch die Juden, die gezwungen waren, zwei verschiedene Kalender nebeneinander zu beobachten: den römischen für den beruflichen Alltag im römischen Reich und den hebräischen für ihre Religion. Das war komplizierter als es sich vielleicht anhört. Denn der julianische Sonne-Mond-Kalender der Römer wich mit jedem Jahr mehr vom Mondkalender der Hebräer ab, sodass sich die Jahreszeiten verschoben.
Die Juden hatten immer größere Mühe, beide Kalendersysteme nebeneinander zu befolgen, weil sie nicht einfach umrechnen konnten, da sie zusätzlich laufend die Natur beobachten mussten für ihren Kalender. Sie beobachteten die Mondsichel und andererseits die Gerstenernte. Für das Bestimmen der ersten Mondsichel brauchte es mindestens zwei Zeugen, die bestätigten, dass die Sichel zu sehen ist und somit der Monat begonnen hatte. Das konnte an verschiedenen Orten (Jerusalem, Rom, Alexandria, Konstantinopel, Karthago, etc.) voneinander abweichen. Auch die Gerstenernte war nicht überall zur selben Zeit. Nachdem dann Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstört war, verschärfte sich das Problem für das Judentum, weil das zentrale Element Jerusalem wegfiel.
Das führte im 2. Jahrhundert nach Christus zu einer Kontroverse im Christentum. Manche Christen hielten sich an die lokalen Juden, andere sagten, man dürfe das nicht tun, weil man sonst das Pascha bzw. Ostern mitunter zweimal im Jahr feierte - und das sei eine inakzeptable Lästerung, denn Christus ist nur einmal auferstanden. Eusebius von Cäsarea berichtet darüber in seiner Kirchengeschichte wie folgt:
Damals war ein nicht unbedeutender Streit entstanden. Während nämlich die Gemeinden von ganz Asien auf Grund sehr alter Überlieferung glaubten, man müsse den 14. Tag des Mondes, an welchem den Juden die Opferung des Lammes befohlen war, als Fest des Erlösungspascha feiern und auf jeden Fall an diesem Tage, gleichviel welcher Wochentag es gerade sein mochte, die Fasten beenden, war es bei den Kirchen auf dem ganzen übrigen Erdkreise nicht üblich, es auf diese Weise zu halten; man beobachtete vielmehr gemäß apostolischer Überlieferung den noch heute giltigen Brauch, daß an keinem anderen Tage als dem der Auferstehung unseres Erlösers die Fasten beendet werden dürfen. Es fanden daher Konferenzen und gemeinsame Beratungen von Bischöfen statt, und alle gaben einstimmig durch Rundschreiben die kirchliche Verordnung hinaus, daß das Geheimnis der Auferstehung des Herrn an keinem anderen Tage als am Sonntage gefeiert werden dürfe und daß wir erst an diesem Tage das österliche Fasten beenden dürfen. Noch jetzt sind vorhanden ein Schreiben der damals in Palästina zusammengetretenen Bischöfe, von welchen Bischof Theophilus von Cäsarea und Bischof Narcissus von Jerusalem den Vorsitz führten, ein Schreiben der in Rom versammelten Bischöfe, welches die gleiche Streitfrage behandelt und den Namen des Bischofs Viktor trägt, ein Schreiben der Bischöfe des Pontus, deren Vorsitzender Palmas als der Älteste war, ein Schreiben der Gemeinden in Gallien, deren Bischof Irenäus war, ferner ein Schreiben der Bischöfe in Osroëne und in den dortigen Städten, ein Privatschreiben des Bischofs Bacchyllus von Korinth und noch Schreiben von sehr vielen anderen Bischöfen. Sie bekunden eine und dieselbe Meinung und Ansicht und geben das gleiche Urteil ab. Ihr einstimmiger Beschluß ist erwähnt.
Eusebius von Caesarea (260-339), Historia Ecclesiastica Kirchengeschichte (BKV), Fünftes Buch, 23. Kap. Der damalige Streit um das Osterfest.
Die Kontroverse ging aber weiter bis zu Kaiser Konstantin, der den Streit erst im 4. Jahrhundert am Konzil von Nizäa (325) beendete durch einen einstimmigen Beschluss zum Ostertermin. Ohne auf die Situation näher einzugehen, kann man doch sagen, dass es bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. Spaltungstendenzen im Leib Christi gab. Denn offenbar kamen nach den Aposteln neue Ideen auf, wann man Ostern feiern könnte. Es war eine gewisse Herausforderung, den Tag zu nennen, an dem Jesus wirklich auferstand - vom Datum her betrachtet. Nur der Wochentag war noch bekannt. Und das führt uns zum nächsten brisanten Punkt:
Gott verzichtet bewusst auf Monatsnamen!
Weder beim Festlegen des ersten Pascha im Buch Exodus, noch bei den Berichten über das Pascha, das Jesus mit Seinen Jüngern feierte, wird je ein Monatsname genannt. Ist das nicht auffällig? Ist das Zufall? Nein! In Gottes Anweisungen und Überlieferung hat alles einen tieferen Sinn, der uns etwas lehren soll. Im ganzen Neuen Testament wird nie ein Monatsname erwähnt in Bezug auf jenes besondere Pascha, das später Ostern genannt würde, schon gar nicht ein kalendarisches Datum. Stattdessen gibt es andere Bezüge.
Wir erfahren beim ersten Pascha übrigens nicht nur den Monat (nämlich den ersten des Jahres), sondern auch den Tag:
Und es soll für euch aufbewahrt sein bis zum vierzehnten (Tag) dieses Monats, und die ganze Menge der Gemeinschaft der Israeliten: Sie sollen es gegen Abend schlachten. (Ex 12,6)
Warum ausgerechnet der vierzehnte Tag? Gott allein weiß warum. Jedenfalls ist dieser Tag besonders leicht zu identifizieren in einem Mondkalender, weil das genau der Tag des Vollmondes ist. Das könnte einer der Gründe sein, warum Gott erstens den Menschen den Mond als Kriterium für die Bestimmung von Monaten und Festen genannt hat (Gen 1,14) und zweitens den 14. Tag für das Pascha (Ex 12,6). Beides ist anhand der Himmelslichter leicht zu bestimmen.
Liest man die Evangelien aufmerksam durch, stößt man - neben vielen vielleicht verwirrenden, weil unterschiedlichen - doch auf ein gemeinsames Detail: Sie alle berichten, dass Jesus am Rüsttag gekreuzigt wurde und am Abend davor das Pascha mit Seinen Jüngern hielt. Der Rüsttag war immer der Tag vor dem Sabbat. Sabbat war der siebente Tag, also der Samstag. Dieser Bezug verrät uns mit Sicherheit, dass Jesus an einem Freitag gekreuzigt und begraben wurde. Wir nennen ihn heute Karfreitag. Das Pascha fiel in jenem Jahr also auf einen Donnerstag. Im Christentum wird er heute als Gründonnerstag bezeichnet. Zusätzlich wird uns in allen Evangelien verraten, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstand. Das war nach damaliger Zählung der Sonntag. Heute beginnt unsere Woche mit dem Montag - ein weiterer Konflikt mit der biblischen Systematik.
Somit bestätigen alle Berichte in den Evangelien diese drei Punkte:
- Paschamahl am Donnerstag [Gründonnerstag].
- Verurteilung, Kreuzigung und Tod Christi am Rüsttag (Tag vor dem Sabbat), also Freitag [Karfreitag].
- Auferstehung am Tag nach dem Sabbat, bzw. am ersten Tag der Woche. In beiden Fällen also Sonntag [Ostersonntag].
Das ist alles kein Zufall. Die frühen Christen wurden von den Aposteln darin unterwiesen, was all diese Dinge zu bedeuten haben. Der Sonntag etwa, ist nicht nur der erste Tag der Woche, sondern - weil er nach dem Sabbat, dem siebenten Tag, kommt - gleichzeitig auch der achte Tag! Das war immer schon ein ganz besonderer Tag. Wir schrieben darüber einen eigenen Beitrag: Der Tag des Herrn.
Selbst wenn man die tiefe Symbolik nicht begreift, muss man doch zugeben, dass die oben angeführten drei Punkte die einzigen Anhaltspunkte sind, die uns der Heilige Geist durch die Evangelisten überliefert hat. Reichen uns diese?
Die Geschichte lehrt uns, dass nicht alle Christen damit zufrieden waren. Manche wollten es jüdischer und feierten jedes Jahr das Pascha der Juden. Andere wollen es komplizierter und rechneten sich selbst mehr oder weniger geschickt ein Jubiläumsdatum aus. Sie müssen durch verschiedene Kalenderumstellungen durchblicken, die über die Jahrhunderte und Jahrtausende durch teils abrupte und willkürlich festgelegte Schalttage und Schaltmonate verschieden große Lücken und Zeitsprünge ergaben. Will man außerdem jedes Jahr die Gerstenernte treffen und den Vollmond, wird es richtig kompliziert und rasch regional. Und soll so ein wichtiges Fest wirklich vom regionalen Klima abhängig sein? Hat Gott das so gewollt? Schließlich nannte Er weder die Gerstenernte noch den Monatsnamen - und schon gar nicht ein fixes Datum. Und all das sicherlich mit Absicht.
Erneut die Frage: Geben wir uns zufrieden mit der Ordnung der Anhaltspunkte, die Gott uns nennt? Oder stellen wir lieber unsere eigene Ordnung auf, durch eigene Berechnungen und Überlegungen, anstatt der inspirierten Überlieferung der Apostel zu folgen? Wollen wir weltlich denken oder göttlich?